Montag, Juni 04, 2007

Figuren und ihr Eigenleben

Dieses viel zitierte, attitüdenhafte Geschwafel von Autoren, ihre Figuren würden beim Schreiben ein Eigenleben entwickeln, überraschende Wege gehen, sich sperren und sträuben und rumzicken… Es stimmt.
Daher muss man manchmal als Autor auf den Tisch hauen. So geht das ja nicht, wer hat sie denn schließlich erfunden, nicht wahr. Ein bisschen Dankbarkeit und Kooperation kann man da erwarten.
Irgendwann nämlich, irgendwann reißt auch dem Geduldigsten der Faden. Nach nächtelangen Quälereien und Diskussionen mit Hauptfigur A, die da jammert wegen Hauptfigur B oder meint, der Autor hätte plötzlich Nebenfigur C viel lieber… Fragen die Figuren einmal den Autor, wie das so ist? Hm? Sich den ganzen Tag mit den Bälgern rumzuplagen? Sie überallhin mitzunehmen? Keine freie Minute mehr für sich zu haben? Monatelang die Nächte durchschreiben zu müssen, und dann stören sie einen auch noch beim Schlafen? Fragt auch nur ein einziger von diesem undankbaren Pack danach? Nein.
Der Showdown kam mir gerade gelegen. Ich war am Ende meiner Kräfte. Und da tat ich es einfach: Ich erschoss – meine Hauptfigur. Legte mich ins Bett. Schlief friedlich zwölf bis vierzehn Stunden und fühlte mich danach richtig großartig. Ging zurück an den Computer, ließ Gnade walten und brachte das arme Dingelchen dann doch lieber ins Krankenhaus.
Ich hoffe, es war ihnen eine Lehre, diesen Figuren, diesen…!

1 Kommentar:

Anne Chaplet hat gesagt…

Ich habe soeben eine meiner Hauptfiguren, in die ich mich ein wenig verliebt hatte, mit einem dramatischen Nervenschmerz (Messerstechernachwirkungen!) halb ins Koma geschickt. War das ein Machtkampf? Oder habe ich ihm nicht damit ein wenig mehr seelische Tiefe verliehen?
Nein, wir sind nicht völlig machtlos da draußen!!!