Samstag, September 13, 2008

Beim Krimilesen ...

... denke ich so über das Krimischreiben nach und stelle fest, dass es ein kompletter Unfug ist, den wir da betreiben. Die echten Kommissare von der Mordkommission langweilen sich ja meist in Wirklichkeit furchtbar und tischen einem dann immer irgendwelche Ungelösten von vor 20 Jahren auf, damit ihr Job ein bisschen besser klingt. Nämlich was sie sonst so machen - da lohnt sich kein Krimi.

Ich meine, letztens erst erzählte mir der eine von dem Mord an der Thai. Riesensoko gegründet, alle auf vollen Touren gearbeitet, weil: Massenscreening. Sie hatten DNA gefunden. Alle Männer im Umkreis von soundsovielen Kilometern herbeizitiert. Und ratet mal, wer's war: Der einzige Kerl, der bei seinem Termin angeblich krank war und zum zweiten auch nicht so recht antanzen wollte. Schwupp, Täter gefunden. Durch DNA-Abgleich.
Oder dann, der Fall mit der Oma im Lichtschacht. Arbeiten am Haus des Bauern. Der Handwerker muss was am Mauerwerk machen und findet die tote Oma im Lichtschacht. Polizei kommt, Kommissar fragt den Sohn von der Toten, wie die alte Frau denn da so reinkommt. Er behauptet, sie hätte einen Herzinfarkt gehabt, er wollte sie ins Krankenhaus fahren. Zu diesem Zweck warf er sie sich über die Schulter, die infarktgeschädigte Oma rutschte ihm über die Schulter und glitt elegant in den Lichtschacht. Tot. Na, da hat er sie dann gleich dringelassen. Natürlich stimmten Verletzungen und Lage der Toten nicht mit dem Schmarrn überein, und so ziemlich jeder im Dorf wusste, dass die Oma ein ziemlicher Besen war und ihrem Sohn entsetzlich auf den Keks ging mit ihrem Getue und Genörgel und Gekreische. Handschellen, das war's. Weil, sagte mir der Kommissar, in echt sind die Täter ganz oft ganz schön stulle, und wir bei der Polizei können ne ganze Menge lustige Sachen, von denen die noch gar nichts wissen, CSI hin oder her.

Kommentare:

anobella hat gesagt…

guter sound, die geschichte mit der oma im lichtscchacht. aufheben für antho.

Henrike hat gesagt…

das problem sind immer die dummen mörder. ich stelle mir eine geschichte vor mit einem kommissar, der sich dauernd mal schlaue mörder wünscht und dann schon wieder so einen fall hat, eben die oma im lichtschacht, und er bricht dann jedes mal bei seinen dummen mördern einfach zusammen und dreht die fälle heimlich so, dass sie viel spannender klingen... super! WER DIE GESCHICHTE KLAUT, WIRD VERKLAGT! das copyright ist hiermit mit datum und uhrzeit besiegelt. jawoll. anobella ist zeugin!

dpr hat gesagt…

Hm, ein Kommissar, der sich schlaue Mörder wünscht...hm, hm... Könnte "Dumme Mörder morden nicht" heißen... okay. Mal Exposé schreiben. Das mit dem Copyright von Fippy gildet ja eh nicht...

bye
dpr
*erinnert sich, Anobella diese Geschichte VOR JAHREN schon erzählt zu haben
**Anobella nickt in die Runde

anobella hat gesagt…

ich hab in etwa so eine geschichte, ihr könnt aufhören, euch ums copyright zu streiten.

*nickt in die runde
**schwenkt ihre geschichte

Georg hat gesagt…

Die hast du von mir. Habe ich dir vor Jahren schon eine Kopie geschickt!

Henrike hat gesagt…

*stöhnt
**kopfweh

Smarf hat gesagt…

Kommen wir mal auf den Eingangssatz dieses Eintrags zurück. Krimischreiben ist kompletter Unfug. Das teile ich zwar nicht. Aber es wäre schön, müsste nicht jeder Aspekt der Welt im Genre eines Krimis abgehandelt werden. Das war bei Umberto Eco noch neu und originell, dann gab es noch einige interessante Zugänge, dann aber, meine Lieben, ging es bergab. Aber schreibt einfach weiter der Marktentwicklung hinterher.

Henrike hat gesagt…

wie ist denn die aktuelle marktentwicklung? ich bin ja auch eher für geschichten, die aus den figuren herauskommen, aber dann sind wir in der belletristik, weil marktgängig gefordert und genremäßig gewollt ist ja die einbindung in "große zusammenhänge" (ich zitiere da lektoren, und nicht nur von einem verlag), wobei die psychologisierung fast nicht gewollt ist bzw. wenn dann nur von verlagen, die groß damit werben, dass das werk dann "mehr als nur ein krimi" ist, wo sich die katze in den schwanz beißt...

JL hat gesagt…

"Und ratet mal, wer's war: Der einzige Kerl, der bei seinem Termin angeblich krank war und zum zweiten auch nicht so recht antanzen wollte. Schwupp, Täter gefunden." Konnten Sie die Geschichte überprüfen? Auf den ersten Blick halte ich das für eine der Legenden, die gern in Umlauf gesetzt werden, damit die Leute zu den teuren Massenscreenings auch brav und freiwillig andackeln. Für einen richterlichen Beschluß gegen einen Wegbleiber reicht nämlich sein bloßes Wegbleiben nicht.

Beste Grüße!

Smarf hat gesagt…

Fippy, das meine ich ja. Du kennst ds, was gewollt ist, besser als ich. Ich kotze einfach darüber, dass in einer Buchhandlung fünfzig verschiedene Variationen des gleichen Themas in einem Krimi verpackt sind oder noch ein Aspekt des menschlichen Lebens hinter das Gatter eines 0815-Krimis gesteckt wird. Wobei der Krimi nicht gewinnt und das Ausgangsthema banalisiert wird. Es ist ein Jammer, womit Ihr Euch Euer Geld verdienen müsst. Ich beneide Euch nicht.

Smarf hat gesagt…

Wie wäre es mit einem Kriminalplot

(c) anerkennen, bevor ihr weiterlest, ihr Ratten!

über eine ermordete Lektorin. Grausam zuschanden gerichtet, gemästet und an allen möglichen Öffnungen mit einem Manuskript gefüllt (Zitat Greenaway). Bei der Beerdigung erscheinen zahlreiche trauernde Autoren, die natürlich alle verdächtig sind. Aber das Manuskript eines anonymen Autors ist wirklich gut und die trauernden Autoren waren alle saumäßig schlecht. Die Kommissarin, blass und unscheinbar, mit dem interessanten Hobby des Glasblasens, gerät in dem Fall in die allfällige Sinnkrise, verliebt sich in einen Winzer, der ermordet wird - bei aller persönlichen Trauer reflektiert sie in ihrer seit Jahren liegenden Magisterarbeit die Probleme der bundesdeutschen Rentenversicherung. Die Arbeit ist gut und hat auf alle volkswirtschaftlichen Engpässe der EU eine überzeugende Antwort. Ihre intellektuelle Brillanz kommt bei ihrem Professor nicht so gut an, er will für eine gute Note, dass sie mit ihm schläft. Dabei entdeckt sie parallele Motive und löst den Fall - den mit der Lektorin. Natürlich gibt es noch eine überraschende Wende, aber die erfahrt ihr, wenn ihr mir sofort einen Vorschuss überweist. Kommen 50 TSD Euro zusammen, fange ich an!

Georg hat gesagt…

* überweist

Henrike hat gesagt…

das ist was für anobella.
*stuppst anobella an
wie immer aber hat smarf recht. letztens erst habe ich sehr gelacht, weil knaur doch tatsächlich in demselben katalog zwei krimis ankündigte (ein langwieriger autor, eine relativ frisch geschlüpfte autorin): beide spielten in kiel, beide gehen um organhandel. das thema organhandel quält sich doch nun auch seit mindestens 10 jahren durch den krimi, aber der langwierige autor wollte es letztens noch seinem mit angehaltenem atem lauschenden publikum als was total neues unterbreiten. und jetzt, smarf, kommt das wirklich wahrhaftig traurige: die leserschaft machte uuuh und aaah und FREUTE sich, so brandheiße informationen zu erhalten.

A.E. hat gesagt…

...und die oma-geschichte heißt dann
"Schicht im Schacht"...

Henrike hat gesagt…

sehr gut. ich hätte dann gerne von dir schon mal illustrationsvorschläge.