Donnerstag, März 27, 2008

Understatement auf Hamburgisch

Die Hamburger, hieß es ja immer, die Hamburger sind ganz zurückhaltende Menschen, understatement wird da ganz groß geschrieben. So ist das, denke ich, während ich mich durch den Verkehr quäle und von allen Seiten definitiv grundlos angehupt werde. Ganz zurückhaltend, und vor lauter understatement fahren sie nicht nur kriminell, sondern auch noch die größten Wagen, die man noch fahren kann, ohne dass es zum LKW ausartet. Überall Range Rovers und Jeeps und wie sie alle heißen. Ich muss an Traktoren denken und daran, dass früher Männer in solchen Dingern rungekurvt sind, wenn sie zum Jagen in den Wald wollten. Jetzt fahren Männer die Sportcoupés und ihre Frauen holen mit dem Traktor das Kind von der Schule ab, nachdem sie vorher kurz beim Feinkost-EDEKA zwei Salatköpfe geholt haben. Die liegen dann auf der Ladefläche, quatsch, im Kofferraum.
Ein Rätsel auch, wie die Damen ihre Traktoren in den engen Gassen des Treppenviertels parken? Kein Rätsel, man geht einfach nur mal schauen und beglückwünscht sich hinterher, dass man da niemals selbst mit dem Auto hinmuss.
Ich parke jedenfalls meinen Käfer (immer noch nicht umgemeldet) zwischen den schwarzen Monstern und gehe, zum ersten Mal in diesem Hamburg, zum Haareschneiden. Understatement, erinnere ich mich nochmal, bevor ich den Laden betrete. Ich habe München durchgestanden, ich werde auch hiermit fertig. Hier sollen sie ja viel zurückhaltender sein. Außer beim Autofahren. Und bei den Autos.
Sie sind überhaupt nicht viel zurückhaltender, und sowas wie das hier, das ist mir in München nicht begegnet: die Spiegel hängen in schweren, blattgoldenen Holzrahmen, und die Tischchen, auf denen man die Vogue, den Cappuccino und die Pradahandtasche parkt, sehen nach antiken Kommoden aus. Der Sessel, in den man mich drückt, erinnert an einen englischen Clubsessel, allerdings cremefarben. Ich schaue mich kurz um, ob ich mich auch nicht in der Tür geirrt habe.
Die Hamburgerinnen selbst werfen jedes understatement über Bord, kaum, dass sie sich unter sich glauben. Da wird geprahlt von den teuren Urlauben, da werden Designerschuhe verglichen, da wird über alles geredet, was nicht nur Geld, sondern gleich viel Geld kostet.
Und alle sind blond.
Außer mir.
Deshalb schauen sie mich auch so komisch an, vielleicht, denke ich. Oder weil sie noch nicht wissen, wohin mit mir. Ich halte brav den Mund, damit sie es auch nicht rausbekommen, und lese ein Buch statt der Vogue, Skandal genug, besonders nach dem Käfer.
Haben Sie denn heute noch was Schönes vor?, drängt mich die Chefin, weil sie endgültig herausfinden will, was ich für eine bin. Och, sage ich und will es für mich behalten. Ein Meeting?, neugiert sie weiter. Aha, man denkt immerhin in solchen Kategorien, die Frauen hier arbeiten auch zum Teil und sind nicht nur fremdfinanziert. So ähnlich, murmele ich. Wo denn?, wird sie nun ganz platt unverschämt. Damit ich Ihnen die richtige Frisur machen kann. Im Jacob, nuschele ich, und sie strahlt, so gehört sich das, ein Termin im Jacob, trotz Käfer und Buch und Nichtblondie.
Understatement, höre ich eine Kundin flüstern, diese Berliner haben's einfach drauf.

Kommentare:

licht hat gesagt…

Was sich hinter "Jacob" verbirgt ist mir zwar (peinlicherweise?) nicht so ganz klar, aber den Frauen-Jeeps begegnet man gelegentlich auch in der hessischen Prärie - machohaft metallener Anstrich über der alten Frauenrolle sozusagen... ;-)

Anonym hat gesagt…

Moinsen,
http://www.hotel-jacob.de
muss dir nicht peinlich sein.

Fein zu sehen ist immer, wenn die panzerfahrenden Mamis oder auch Papis dann im deutlich enger beparkten Ottensen oder im schmalen Alten Elbtunnel schier verzweifeln.

Da bewahrt nur hanseatische Zurückhaltung, wer den rechten Außenspiegel kennt und nutzt...

Hummel-hummel,
Chris

licht hat gesagt…

Danke Chris und viele Grüße nach Hamburg! :-)

A.E. hat gesagt…

das is´ja dann doch was andres als bei muttern gerbich am bahndamm...

Henrike hat gesagt…

jo, nech, son büschn....

Georg hat gesagt…

Det haste jut jemacht.

* myeum? wassndas?

Henrike hat gesagt…

wat fürn ding????

Georg hat gesagt…

* hatte gemusst "myeum" eingeben. Ich denke, hier heißt alles fippy"? Guckma: jetzt vsanzbza. Det müsste tschechisch sein, wa?