Dienstag, Januar 22, 2008

Frauentag

Das mit dem Geld ausgeben scheint immer so einfach zu sein, besonders als Frau und wenn man sich für Dinge wie Schuhe und Handtaschen erwärmen kann. Befindet man sich dann auch noch in der Nähe exklusiver Geschäfte am Ku’damm, steht dem Unterfangen nichts mehr im Wege, die Mission „Konto leer“ ist so gut wie erfüllt.
Dachten wir.
A. will eine Handtasche von Tod’s, und das haben wir generalstabsmäßig vorbereitet. Wir ziehen uns entsprechend an, schließlich soll man uns gleich als potente Kundinnen erkennen und nicht mit neugierigen, window-shoppenden Touristen verwechseln. Zurückhaltende Eleganz, darauf einigen wir uns, und ziehen los. Gut, es regnet an diesem Tag so stark wie schon seit Wochen nicht mehr, und trotz Schirm sehen wir nach wenigen Minuten wie kläglich gebadete Langhaarterrier aus, aber wir stapfen weiter tapfer dem Laden entgegen. Wir wissen genau, wo er ist, wir haben es uns bei Google auf der Karte angeschaut.
Mit gutem Gewissen lassen wir Yves Saint Laurent und Longchamps links liegen und entern den Laden. Dies ist der Moment, das wissen wir schon, in dem freundliche, gut geschulte Verkäuferinnen auf uns zuschweben, uns den Schirm abnehmen, einen Platz anbieten, anschließend Kaffee und Champagner, um endlich die Kollektion in Gänze zu präsentieren, bis sich A. auf die Handtasche geeinigt hat, die ihr seit Wochen im Traum erscheint.
Jedoch, es geschieht nichts, als wir den Laden betreten. Zwar stehen überall Verkäuferinnen herum, doch sie beschäftigen sich entweder mit den beiden jungen Müttern (lärmende und schmutzende Kleinkinder auf dem Schoß), die sich alles, aber auch alles zeigen lassen, oder sie ignorieren uns gekonnt, ohne auch nur den Blick auf uns zu richten oder gar eine Begrüßung zu äußern. Sie ignorieren uns, obwohl wir jede verfügbare Handtasche schließlich eigenmächtig aus den Regalen reißen, uns lautstark über unseren Kaufwillen äußern und endlich entsetzliches Chaos mit dem sich in der Schuhkollektion verhakenden triefnassen Schirm anrichten.
Sie schauen durch uns durch. Wir sind gar nicht da. Wir gehen wieder. Siebenhundert Euro gespart, sagt A. und klingt irgendwie erleichtert. Außerdem war die Handtasche, die aus den wiederkehrenden Träumen, doch nicht da.
Vielleicht schreiben wir eine Mail und beschweren uns, sage ich. Wir könnten so tun, als seien wir wahnsinnig reich, und dann ärgern sie sich, sagt A. Genau, sage ich und zerre sie über die Straße vor das Chanel-Schaufenster. Und dann schreiben wir, anschließend hätten wir uns bei Chanel vergnügt. Wir starren in das Schaufenster, während uns der Chanel-Sicherheitsbeamte im schicken Dreiteiler, der die Tür bewacht, ignoriert. Nichts gefällt uns, und als wir die Preise sehen, finden wir das irgendwie seltsam. Bei Gucci geht es uns auch so. Passt gut zum Konto, sagt A., und ich nicke. Was man alles an Geld spart, sage ich. Aber wir schreiben die Mail, beschließt A. und fängt schon mit dem Vorformulieren an. Was machen wir mit dem ganzen Geld, das wir heute nicht ausgegeben haben?, will ich endlich wissen, denn der Gedanke, dem finanziellen Ruin so leicht entgangen zu sein, macht mich unwillkürlich nervös, irgendwie denke ich, etwas kann mit mir nicht stimmen, Frauen ruinieren sich doch immer mit Schuhen und Handtaschen. A. zuckt hilflos die Schultern und findet bei Cartier nicht mal eine Uhr, die ihr zusagen könnte. Gehen wir essen, fällt mir nur noch ein, und ich schiebe sie durch den Regen zu Maredo. Wir essen riesige Steaks mit noch größeren Portionen Pommes und lachen anschließend im Kino über „Darjeeling Limited“. Eigentlich hätte es ein Stück Kuchen sein müssen und dann „P.S. Ich liebe Dich“, merkt A. zerknirscht an. Das müssen wir noch üben, das mit dem Frauentag, merke ich zerknirscht an. Wir nicken und starren auf einen 760 Li. Zwölfzylinder, sagt A., 445 PS.

Kommentare:

A.E. hat gesagt…

also, bei mir hat der eintrag gewirkt...
ich werd´ mir meine nächste handtasche garantiert nicht bei diesen arroganten schnöseln bei tod´s holen, sondern doch wieder auf die sommerfarbige großraumhandtasche von feinkost-albrecht zurückgreifen.

dann könn´se ma sehn, was´se ´von ´ham !!!

gb hat gesagt…

Der Kollege Paxman hat auch so seine Probleme in der Konsumwelt. eMail schreiben hilft:

http://www.faz.net/s/Rub5A6DAB001EA2420BAC082C25414D2760/Doc~EC40100C39AC545A38A366E73C15B98CD~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed

Henrike hat gesagt…

oha, das mit dem link klappt nie. moment, das machen wir anders.

albertsen hat gesagt…

Da lob ich mir den klassischen Herrenausstatter. Die bewahren selbst dann die Haltung, wenn man als frischgebackener Uni-Abolvent den Verkäufer immer wieder mit den Worten zurückschickt: "Das ist mir zu teuer."

(Vezreiht meine Ignoranz, aber heißt dieser Laden wirklich "TOD"??)

Henrike hat gesagt…

konnte es auch nicht glauben und wurde kurzzeitig bleich, aber heißt wirklich so. spricht sich mit kurzem offenen o, todddddddddds.