Oliver Jungen erklärt ja in der FAZ, warum Literaten arm sein müssen und wieso ihnen Fördergelder schaden.
Samstag, Mai 24, 2008
Freitag, Mai 23, 2008
Autorenfragen
Nach der Lesung.
Besorgte Mutter M, ca. 70
HH
M: Sagen Sie mal, Frau Heiland, darf ich Sie was fragen?
HH: Na klar, dazu sitz ich ja hier.
M: Wie viel haben Sie eigentlich für Ihr Buch bezahlt?
HH: Ähm - wie meinen Sie das jetzt?
M: Na dem Verlag. Wie viel haben Sie denn bezahlt, damit die das Buch drucken?
HH: Ehrlich gesagt bezahlt der Verlag Geld an die Autoren, nicht umgekehrt ...
M: Aaaaaha. Das hab ich mir doch gleich gedacht. Mein Sohn schreibt nämlich auch.
HH: Gedichte?
M: Jawoll. Und der hat jetzt einen Verlag gefunden, die wollen 4.500 Euro haben, damit sie seine Gedichte drucken, und er sagt, es ist die Chance seines Lebens, ich soll ihm doch jetzt das Geld geben.
HH: Tun Sie das nicht!
M: Nee! Echt nicht. Aber könnten Sie ihm das mal selbst sagen?
HH: Ich? Wieso ich???
M: Soll ich ihm das etwa sagen oder was? Der wohnt bei mir! (brüllt durch den Laden) Albert! ALBERT! Komm sofort her! Die Frau Heiland will Dir was sagen!
(Autoren mit unveröffentlichten Manuskripten schauen bitte mal in Ruhe hier.)
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Henrike
um
12:46 PM
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Ausschlafen
Gegensprechanlage.
HH (verschlafen): Hallo?
M: Moin.
HH: Ja?
M: Ich bin da!
HH: Ach. Und …?
M: Wir hatten einen Termin.
HH: Ich denke, da liegen Sie falsch.
M: Doch doch!
HH: Sicher nicht.
M: Donnerstag zehn Uhr.
HH: Ich habe nie Termine um zehn Uhr morgens!
M: Doch. Heute mit mir. Machen Sie die Tür auf?
HH: Sind Sie von der Post und haben ein Päckchen für mich?
M: Nein!
HH: Na eben. Wer sind Sie überhaupt?
M: Na, ich komm wegen Ihrem Balkon!
HH: Ah. Da haben wir’s. Ich habe gar keinen Balkon.
M: … oh …. Dann sind Sie gar nicht Frau … äh … Gomez?
HH: Frau Gomez hat einen spanischen Akzent und ist außerdem ein Mann. Das wüssten Sie ja wohl, wenn Sie da einen Termin hätten, oder?
M: Der Chef hat mir nur gesagt, Gomez, Balkon, mehr weiß ich auch nicht.
HH: Da hab ich dann doch eine brillante Idee, wie wir Ihr Problem lösen.
M: Ja?
HH: Klingeln Sie doch einfach mal bei Gomez.
M: Ach so … Hab ich nicht?
HH (legt auf)
5 Minuten später, Dialog im Original auf Englisch:
HH: Ja?!
F: Guten Morgen, wir haben einen Termin um elf, und ich bin ein bisschen früh …
HH: Nein, wir haben keinen Termin, und Sie sind wirklich ein bisschen arg früh für Ihren Termin.
F: Na ja ich wusste nicht, ob ich’s gleich finde …
HH: Prima, Sie können noch fünfzig Minuten suchen!
F: Bin ich denn nicht richtig?
HH: Bei mir nicht. Nein. Wo wollen Sie denn hin? Zu Gomez?
F: Zu wem?
HH: Nicht? Also wohin denn?
F: In die … (Papierrascheln) … Naturheilpraxis X.
HH: Dann klingeln Sie doch am besten genau da.
F: Aber ich weiß nicht, wo die ist! Ich dachte, die ist hier!
HH: Wieso das denn?!
F: Ist das nicht die Hausnummer Y?
HH: Doch, schon, nur …
F: Na und hier steht doch was mit Heil.
HH: Heiland. Nicht Heilpraxis. Und jetzt schauen Sie mal nach rechts. Was sehen Sie da?
F: Gebüsch?
HH: Weiter.
F: Einen Jeep …
HH: Und wo steht der Jeep?
F: Vor einem Eingang.
HH: Und was steht auf dem Schild neben dem Eingang?
F (liest): Natur … heil … praxis. Aaah!
HH: Also dann, schönen Tag noch!
F: Ich hab Sie hoffentlich nicht gestört?
HH (seufzt): Neinnein.
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Henrike
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9:34 AM
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Sonntag, Mai 18, 2008
Nachbarn
In HHs Heimatdorf. Käfer mit HHs HH-Kennzeichen wird von HH gerade vorm Haus geparkt.
HH (steigt aus)
NN (Nachbar von Papa Heiland, gefühlte 95, kommt mit Miniköter an der Leine aus seinem Haus)
NN: Ei, Henrike, hat's Dich an die Waterkant verschlagen!
HH: Ähm, Hamb ...
NN: Kennste den schon, pass auf, den kennste noch nicht. Also. Steht ein Ostfriese ... Nee, der geht anders. Warte mal. Also. Was macht ein Ostfriese, wenn ... Nee, der geht nochmal anders. Warte mal. Warte mal. Genau. Der geht so. Also. Die Polizei wird gerufen, weil an der Mole, da steht ein Ostfriese, und der hat ein Messer in der Hand. Und da fragt ihn die Polizei: Was machen Sie denn da mit dem Messer in der Hand?
HH: ... in See stechen ...
NN: In See stechen! Gell, den kanntest Du noch nicht. (geht mit Miniköter weg, im Weggehen) Der war gut! In See stechen! Heheee!
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Henrike
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8:08 PM
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Freitag, Mai 16, 2008
"Mord am Hellweg": Lüdenscheid
20.5., 12 Uhr: "Mord am Hellweg": Pressekonferenz im Konferenzraum der Stadtbücherei Lüdenscheid. Anfragen bitte an die Stadtbücherei Lüdenscheid.
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Henrike
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5:41 PM
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Workaholics
Krankenkassenärztlich verschriebene Massage.
Masseurin F
HH
F: Sooo, und jetzt entspannen Sie sich.
HH: Geht nicht. Ich denk dauernd, ich müsste aufs Klo.
F: Oh?
HH: Ja, wegen diesem... Ding da. Diesem Buddha.
F: Was hat denn der Buddha...
HH: Das Wasser! Das plätschert dauernd!
F: Aber das ist das Qi! Fließendes Wasser! Lebensenergie!
HH (fiept)
F: Na gut. Ich stell's aus. Besser?
HH: Bisschen.
F: Und jetzt entspannen Sie sich...
HH: Könnten Sie die Musik ausmachen?
F: Die Musik?!
HH: Die stört mich total.
F: Aber das ist... Entspannungsmusik!
HH: Ich h a s s e Holzblasinstrumente. Block- und Panflöten stehen ganz oben auf der Liste.
F: Gleich kommt ja wieder die Harfe.
HH: Macht's nicht besser. Haben Sie was anderes?
F (wechselt die CD): So? Das ist was Asiatisches.
HH (hört kurz zu): Nee. Davon krieg ich Hunger.
F: Hunger?!
HH: Na, sowas läuft doch normalerweise beim Chinesen um die Ecke.
F: Und davon bekommen Sie dann Hunger?!
HH: Ente knusprig. Wan Tan. Das ganze Programm.
F: Dann mach ich eben GANZ aus.
HH: Vielleicht...
F: Und jetzt.... entspannen Sie sich. (fängt an) Sie sind aber gar nicht entspannt!
HH: Nee, mein Tinnitus nervt mich.
F: Ihr... Aber dafür kann ich nun wirklich nichts!
HH: Sicher?
F (ruft): Herr Mohn, ich hab hier eine Patientin für Sie! (wirft das Handtuch)
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Henrike
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5:24 PM
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Dienstag, Mai 13, 2008
Heimat ist, was man ständig sieht
Immer wieder im Leben, ganz egal, wohin ich mich flüchte, verfolgen mich Gimmler-Busse. Gimmler ist der Reiseveranstalter im Lahn-Dill-Kreis. Gimmler karrt jährlich tausende Mittelhessen durch die Welt. Man erkennt sie sofort, aber das erklär ich mal wann anders. Jedenfalls stolpere ich häufig über so eine Gimmler-Gruppe, und dann höre ich die Leute sagen: Ei, gugge mal, wie daheim. Ich habe sie schon die Gedächtniskirche mit dem Wetzlarer Dom vergleichen hören, und in den Dolomiten erinnern sie sich gerne an den Stoppelberg.
Und dann letztens: Ich sehe ein Auto mit LDK-Nummernschild in Blankenese parken, mir schwant fürchterliches. Am Bismarckstein dann auch ein bekanntes Gesicht: Sie sitzt dort und genießt die Aussicht auf die Elbe und die ausfahrenden Schiffe vom Hafengeburtstag. Wie daheim, seufzt sie, und ich, wissend, dass sie trotz LDK-Nummernschild schon seit Jahren in Hamburg lebt, frage: Was, jetzt echt? Hier sieht’s aus wie bei Dir in St. Georg? Sie schüttelt ungeduldig den Kopf: Nee, wie in Wetzlar! So grün! Und das da unten könnte auch die Lahn sein. Naja, so ohne die Schiffe und das alles, aber findest Du nicht, es ist genau wie in Wetzlar?
Find ich nicht. Wie gut, dass ich nirgendwo Mittelhessen sehe.
Heute fahre ich mit der S-Bahn in der Stadt herum, und weil ich ja noch Hamburg kennenlernen muss, sehe ich aus dem Fenster. An einer Stelle denke ich: Ach, das könnte ja jetzt auch Steglitz sein.
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Henrike
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6:53 PM
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Freitag, Mai 09, 2008
Höhenunterschiede
Manchmal hat man das Gefühl, dass es eigentlich ganz gut läuft. Das ist nicht so häufig, dieses Gefühl, aber hier und da, wenn man nicht genau aufpasst, schleicht es sich ein. Man freut sich über Dinge wie: dass einem eine Kurzgeschichte offenbar dann doch gelungen zu sein scheint. Oder dass die Blankeneser Gymnasiasten um zwölf Uhr mittags angesichts des Hafengeburtstags schon so besoffen sind, dass sie nachts bestimmt keinen Lärm mehr machen können, so dass man in Ruhe arbeiten kann. Oder dass der letzte Roman in die nächste Auflage gegangen ist. Das gibt Energie für den Tag, man nimmt sich richtig viel vor und weiß: Heute schafft man es, heute klotzt man ran und macht mal so richtig viel, heute geht endlich was vorwärts.
Und dann klingelt der Postbote und bringt ein Päckchen mit allen drei Büchern von Sebastian F., die er mir versprochen hatte zu schicken. Ich denke an seine Auflagenhöhe und daran, in wie viele Sprachen er übersetzt wurde, und leg mich wieder ins Bett, mittags um drei, um ein bisschen an die Decke zu starren.
"Nicht vergleichen", sagt A., die gerade Wiewerdeicherfolgreichratgeber liest, angeblich nur wegen mir.
"Ja klar", sage ich und starre weiter an die Decke, weil, wenn man lange genug gestarrt hat, fällt einem ja vielleicht was ein.
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Henrike
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7:28 PM
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Mittwoch, Mai 07, 2008
Stadtausflug
Heute: S-Bahn-Fahren geübt. Lauter redselige Hamburger getroffen. Kenne nun ca. drei neue Lebensgeschichten von Menschen, die ich nie wiedersehen werde, und ganze Bahnabteile wissen mehr über mich, als im Internet steht. Jedenfalls sagen auch eingeborene Hamburger über Hamburger, dass Hamburger manchmal echt anstrengend (meint: unfreundlich) sind. In der Europa-Passage traf ich ausschließlich Verkäuferinnen aus Berlin, und die Polizisten in der Mönckebergstraße hatten alle arg gute Laune, warum, weiß ich auch nicht. Irgendwann hatte ich dann die Alster (Binnen und Außen) ausführlich gesehen und fuhr recht rasch wieder zurück, um festzustellen: Blankenese hat einen festen Penner am S-Bahn-Eingang, der einem sagt, welche Karte man kaufen muss. Sagt er einem aber erst, wenn man ihm Geld gegeben hat, und zwar soviel, dass es wurscht ist, ob man aus Versehen eine zu teure kauft oder nicht. Lässt sich, wenn man sich ein bisschen dort herumdrückt, immer sehr charmant beobachten. Da der Mann aber nicht blöd ist, sondern nur obdachlos, merkt er irgendwann, dass er beobachtet wird und verlangt auch dafür Geld.
Sehr nett der verwirrte Professor, der heimlich mit seiner jungen Studentin einen Blankeneseausflug machte, damit sie hier unerkannt zusammen einen Kaffee trinken können. Die Romantik scheiterte gleich bei Ankunft daran, dass beide keinerlei Ortskenntnis hatten und erstmal über die grobe Richtung stritten.
Ansonsten ist alles sehr grün geworden. Man kann nicht mehr so gut in die Villen in Richtung Othmarschen reinschauen. Gegen Winter wird die S1-Fahrt dann wieder so eine Art mobiles „Architektur und Wohnen“.
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Henrike
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7:51 PM
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Mittwoch, April 30, 2008
Weinprobe
Jetzt mal im Ernst. Man muss sich das so vorstellen: Eine Weinprobe im exklusivsten Hotel Hamburgs. Selbiges liegt malerisch an der Elbe, und man hat irgendwie gar keine rechte Ahnung, wie man da überhaupt so reingeraten ist. Vermutlich wurde einem die Weinprobe zu einem Anlass, den man längst wieder vergessen hat, geschenkt.
Jedenfalls steht man da nun, zwischen lauter teuren Anzügen im, wie man so sagt, besten Alter (das, in dem Frauen als unansehnliche alte Schachteln gelten). Die stehen also da und warten, dass es losgeht, machen sich untereinander bekannt, wie das Männer eben so tun: Sie messen Schwanzlängen. Ab einer gewissen Einkommensklasse verläuft das deutlich subtiler als auf dem Oktoberfest. Hier definiert man sich über Namedropping, Andeutungen, wann man wo mit wem was gesprochen hat und wen man wann wie zu Gast hatte oder umgekehrt, und klar, mit dem Privatjet letztens. Über sowas reden wir hier.
Und dann sagt der Mann neben einem, also er spricht einen direkt an, weil er wissen will, mit wem er es hier zu tun hat, ob sich da nicht vielleicht die Praktikantin verlaufen hat, jedenfalls sagt der Mann neben einem, während er auf die Elbe blickt:
Ist doch immer wieder schön, diese Aussicht, das denke ich jeden Morgen, wenn ich aus dem Schlafzimmerfenster sehe. Sie wird einem nicht langweilig.
Sagt er so, und es ist klar, was das impliziert. Ganz sicher hat man keine Lust, ihm zu sagen, dass man auf deutlich weniger Quadratmetern als er, und dann auch noch ohne Elbblick (Schande!), nein, das muss nicht sein. Unweigerlich fragt er:
Finden Sie nicht auch?
Ganz ehrlich. Darauf gibt es nur eine Antwort, die einen Hamburger deprimiert. Da kann man nicht mit Alsterblick oder Ichwohnamstarnbergersee oder Meinevillaimgrunewald. Das ist alles Dreck. Einen Hamburger in einer Elbblickvilla deprimiert nur eins:
Och, aber gegen die Themse … Wir haben ja extra die Loftwand zur Flussseite ganz mit Glas …
Das Gesicht, das man dann zu sehen bekommt, das ist nicht mit Geld zu bezahlen. Auch nicht mit Elbblick. Da ist man dann plötzlich ganz entspannt, mitten zwischen den Millionären.
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Henrike
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9:46 PM
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