Samstag, September 29, 2007

Lesung am Schauplatz: Kamminke


Der Nordkurier schreibt über die Lesung in Kamminke:

"Der Krimi ist aus mehreren Handlungssträngen aufgebaut. Heiland beginnt im Jahre 1936 in Königsberg, wo sie die Geschichte des jüdischen Mädchens Hannah und ihres Freundes Ernst erzählt, die durch die Flucht getrennt werden. In Zehnjahresschritten blendet sie immer wieder Hannahs Lebenslauf ein. Dann, im Jahr 2006, passieren ein Anschlag in Kamminke mit zwei Toten, ein mysteriöser Mord in Rostock, ein Selbstmord beim Polizeiverhör. Was anfangs ohne Zusammenhang scheint, bekommt nach und nach Kontur und läuft in einem großen Finale zusammen.
Die 32-Jährige hatte bei ihrer Recherche auch den Leiter der Anklamer Kriminalpolizei, Thomas Krense, konsultiert, um „Fragen technischer Art“ zu klären. Krense kam mit seiner Frau zur Lesung; sein Urteil freute die Autorin, denn Krense findet den Krimi „sehr spannend von der ersten bis zur letzten Seite.“ Zudem sei er toll recherchiert. Freuen konnte sich auch die Strandbuchhandlung Ahlbeck. Gut 30 handsignierte Exemplare des Krimis fanden ihre Abnehmer. Für den Leiter der Jugendbegegnungsstätte Golm, Nils Köhler, bietet der Krimi einen interessanten Anknüpfungspunkt für seine Arbeit. Etwa hinsichtlich des darin beschriebenen Rechtsextremismus oder innerfamiliärer Konflikte um Schuld und Verdrängung. Zudem bänden historische Rückblenden die Kriegsgräberstätte Golm und den Luftangriff auf Swinemünde geschickt mit ein." (Ganzer Artikel kostenpflichtig)

Die Ostseezeitung schreibt unter der Überschrift "Lebendige Geschichte über Usedomer Generationskonflikt":

"Sie war eine der wenigen Veranstaltungen dieser Art im Achterland und zudem sehr anspruchsvoll – die Lesung in der Jugendbegegnungsstätte am Donnerstag. Gastgeber Dr. Nils Köhler hatte die 1975 in Hessen geborene und jetzt als freischaffende Autorin in Berlin lebende Henrike Heiland eingeladen. Die gut besuchte Veranstaltung bewies reges Interesse an derartigen Events.
Heiland brachte ihr inzwischen drittes Buch mit dem Titel „Blutsünde“ mit. Für ihre Gäste, unter ihnen Kamminker und Interessierte aus Nachbarorten, schon deshalb spannend, weil Kamminke als Tatort für einen Mordanschlag ausgewählt wurde.
Es ist ein Roman mit unglücklichen Lebensläufen und einem sehr vielschichtigen Handlungshintergrund, der viel Konzentration abverlangt. [...]
Heiland hat den Handlungsort für dieses Kapitel sorgfältig ausgewählt und 2006 gründlich recherchiert. „Ich komme aus einer Gegend“, so die Autorin, „in der der Krieg nicht so schlimm gewütet hat.“ Eine alte Nachbarin in Berlin, deren Flucht zu Kriegsende über Swinemünde verlief, habe ihr über diese furchtbare Zeit erzählt und sie sehr inspiriert. Insofern sei der Handlungsort, so Nils Köhler, wegen seines konkreten geschichtlichen Bezuges genau der richtige." (Ganzer Artikel kostenpflichtig)

Henrike wird was gefragt

...von Aveleen Avide, und sie antwortet auch, meistens. Frau Avide verlost sogar ein Buch. Man muss nur dem Link folgen.

Mittwoch, September 26, 2007

Geschichtsfetzen

Früher bei KirchMedia war es schon immer der Brüller, wenn meine kleine Produktionseinheit über den Buchhaltungsflur in Richtung Kantine watschelte und wir Dinge sagten wie: „Was ist jetzt eigentlich mit der Hure und dem Kommissar?“ – „Ich fänd’s ja besser, wenn die vielleicht doch nicht heiraten.“ Oder: „Die Nonne wollte er dann doch nicht, war ihm irgendwie zu unsexy, so insgesamt.“ Oder: „Ist der Schneemann eigentlich schon in der Post?“ – „Ja, den schneiden wir seit gestern zusammen.“
Das macht alles viel viel Sinn, wenn man weiß, dass von Filmarbeitstiteln die Rede ist, und dass nicht die lustige Postpost gemeint ist, sondern die Postproduktion. Wer aber gerade aus irgendwelchen Personalabrechnungen auftaucht, muss erstmal das Gesagte sortieren. Ich erinnere mich an viele fragende Blicke.
Heute war ich mit einer Freundin beim Optiker, Brille aussuchen helfen. Auf dem Weg zum Optiker jammerte ich meine Freundin voll, mir fiele kein vernünftiges Ende zu einer Geschichte ein, und sie sagte, trocken wie immer: „Mach doch alle auf einen Haufen, und dann in die Luft jagen. Hamlet endet auch so ähnlich. Am Ende sind alle tot.“ Ich sagte: „Terroranschlag oder was?“ Sie meinte: „Passt doch prima, wenn’s heute spielt.“
Dann: Optiker, eine halbe Stunde Fassungen anprobieren. Und als die nette beratende Dame sich auf das Formularausfüllen konzentrierte, fiel meiner Freundin wieder ein: „Das mit dem Terroranschlag find ich gut. Das solltest du machen.“
Ich bin mir nicht sicher, aber es würde mich nicht wundern, wenn gerade jetzt in diesem Moment draußen vorm Haus eine ganze SEK-Einheit stünde.

Montag, September 24, 2007

Randgruppendiskriminierung (=Tagebuch eines Außenseiters)

Tankstelle Zehlendorf, nachts um eins.

Dramatis Personae:
Kunde 1-4, alle zu Fuß
HH, ebenfalls zu Fuß
Verkäuferin

Kunde 1 (stellt ein paar Bierflaschen hin): „Und dann noch ne Marlboro.“
Verkäuferin: „Die Roten?“
Kunde 1: „Klar.“
Verkäuferin: „Hmja. Macht dann achtsiebzich.“
Kunde 2 (stellt ein paar Bierflaschen hin): „Und dann noch ne Roth Händle.“
Verkäuferin: „Ohne?“
Kunde 2: „Klar.“
Verkäuferin: „Hmja. Macht dann siebensechzich.“
Kunde 3 (stellt ein paar Bierflaschen hin): „Und dann noch von dem Drum, achja, und Blättchen.“
Verkäuferin: „Filter auch?“
Kunde 3: „Klar, Filter auch.“
Verkäuferin: „Hmja. Macht dann neunfuffzich.“
HH (stellt eine kleine Flasche Cola light hin): „Und dann noch die Salzstangen hier.“
Verkäuferin: „Äh … ja …?“
Kunde 4 (klirrt mit seinen Bierflaschen, wispert): „Is ja pervers.“
Verkäuferin: „Das, äh, zweizwanzich wär das. Sonst nix?“
HH: „Nö.“
Verkäuferin: „Dann noch … ja, nen schönen … Abend, also Nacht, also …“
HH: „Gleichfalls.“
Kunde 4 (kopfschüttelnd): „Leute gibt’s …“

Samstag, September 22, 2007

Island, hinter Bayern gleich links

Letztens beim Berliner Bücherfest am Lübbe-Stand.


Dramatis Personae:
HH
Frau aus Bayern (ca. 55)

(Frau nimmt Heiland-Buch in die Hand und liest Klappentext.)
"Ach, interessiert Sie das Buch? Das spielt in Rostock, wenn Sie wollen, erzähl ich Ihnen ein bisschen..."
"Och nöööö, Rostock..."
"Is schön da, warn Sie schon mal...?"
"Nee, is so weit."
"Von Berlin aus? Zwei Stunden!"
"Ich komm doch aus Bayern!"
"Na gut, das is weit."
(Frau nimmt Islandkrimi in die Hand.)
"Ah, aber in Island waren Sie schon mal?"
"Nee, wieso?"
"Aber da gefällt's Ihnen?"
"Keine Ahnung..."
"Schöner als Rostock, hm?"
"Nee, also... äh... ich nehm dann mal da die Rostockkrimis, äh..."
"Na also. Geht doch."

Dienstag, September 18, 2007

Veranstaltungen mit Frau Heiland persönlich

(Foto: Norddeutsche Neueste Nachrichten)

27.09.07: Lesung "Blutsünde", Jugendbegegnungsstätte Golm, Dorfstraße 33, Kamminke (Insel Usedom). Beginn: 19:30.

10.-11.10.07: Frankfurter Buchmesse. Autorin am Lübbe-Stand 3.0 C142. Terminvereinbarung läuft über Frau Barbara Fischer von Lübbe.

21.10.07: Matineelesung zum Gallusmarkt mit Henrike Heiland ("Blutsünde") und Daniel Scholten ("Der zweite Tod"). Anschließend Diskussion und Werkstattgespräch. Schnitzler'sche Buchhandlung, Weißadlergasse, Wetzlar. Beginn: 11:00. Um Anmeldung wird gebeten unter 06441-45101.

26.10.07: Lesung "Blutsünde", Nacht der Bibliotheken, Stadtbücherei Plettenberg, Alter Markt 3, Plettenberg. Mit Musik und Imbiss. Dauer: ca. 3 Stunden. Beginn: 20:00.

30.10.07: Präsentation der Gewinner des Kurzgeschichtenwettbewerbs, Buchhandlung Weiland, Schwerin.

06.11.07: Lesung "Blutsünde", Waldstadtbuchhandlung, Saarmunderstraße 44, Potsdam. Beginn: 19:00.

WDR4 Buchtipp "Blutsünde"




"Wie ein Netz aus unglücklichen Lebensläufen erscheint die vielschichtige Handlung des Romans, den Sibylle Haseke heute im Buchtipp von WDR4 vorstellt. Vordergründig ein raffiniert erdachter Krimi, birgt dieses Buch gleichzeitig eine Fülle psychologischer Interpretationen und lädt ein zum Nachdenken oder gar zum Umdenken.

[...]

Die eigentliche Stärke des Romans liegt nicht ausschließlich in der spannend konstruierten Kriminalhandlung. Bedeutsamer erscheint das durchgängige Motiv von 'Weglaufen und Suchen'. Bei jeder der Figuren - sei es Mike, sein Uropa, der schweigsame Kommissar oder andere - trifft man auf große Unsicherheiten und Sehnsüchte, die sie von klein auf mitgeschleppt haben. Mangelndes Verantwortungsgefühl, fehlendes Verständnis und Überforderung bei den Eltern haben die Kinder verschiedener Generationen haltlos werden lassen.

Sie sind hin und her gerissen zwischen dem Wunsch nach Zugehörigkeit einerseits und der Ablehnung der eigenen Vergangenheit andererseits. Manchmal endet die Suche nach dem Sinn des Lebens in extremen Ideologien und Fanatismus, manchmal auch in Passivität und manchmal in einer permanenten Flucht vor sich selbst. Dass der beste Weg darin liegt, nichts mehr zu verdrängen, sondern offen mit sich und seinen Sehnsüchten umzugehen, das versucht dieses Buch zu thematisieren. Ein Krimi mit Tiefgang also, der neben Spannung und gekonnter Verschachtelung unterschiedlichster Schicksale großes psychologisches Gespür besitzt."

Hier der ganze Text.

Montag, September 17, 2007

Beim Arzt, Fortsetzung

„Herr Heiland, bitte.“
„Äääh, geht auch Frau Heiland? Sie meinen bestimmt …“
„Nee, jetzt ist erst der Herr Heiland dran.“
(wartet ein paar Sekunden) „Herr Heiland?“
„Sie meinen bestimmt mich.“
„Sie sind doch kein Mann!“
„Das weiß ich auch, aber …“
„Herr Henrik Heiland, bitte!“
„Das bin ICH! Also, HenrikE! Nicht Henrik!“
(Zögert) „Na gut, ausnahmsweise können Sie schon mal rein. Aber nur, weil der Herr Heiland wahrscheinlich gerade auf dem Klo ist. Sind Sie eigentlich mit ihm verheiratet?"

Mann im Ohr

Dramatis Personae:
Sprechstundenhilfe Frau A. (ca. 45)
Polnischer Bauarbeiter Herr B. (ca. 35)
HH mit Ohrgeräusch

HH: „Tach, hier ist schon mal mein Kärtchen… Ich hab da im linken Ohr so ein …“
(Telefon klingelt)
A: „Momentchen, ich geh mal schnell … Praxis Dr. X? Ja? Genau. … Name?“
B: „Botschweski.“
A: „Vorname?“
B: „Karol.“
HH: „Sie meint nicht Sie, sie telefoniert doch gerade.“
B: „Ach so. Warum fragt sie mich dann?“
HH: „Sie fragt nicht Sie. Haben Sie das Telefon denn nicht gehört?“
B: „Ich dachte, das ist in meinem Ohr!“
HH: „Aaaaaah … Aber Sie sehen schon, dass sie einen Hörer in der Hand hat und reinspricht, ja?“
A (noch am Telefon): „Und Sie hören Geräusche im Ohr. Was sind das für Geräusche?“
B: „Doch! Doch! Sie spricht mit mir! Woher weiß sie denn sonst, dass ich Geräusche im Ohr habe?“
HH: „Sie telefoniert mit jemandem, der auch Geräusche im Ohr hat. Ich hab zum Beispiel auch welche. Das hier ist nämlich ein Ohrenarzt!“
B: „Aber…“
A (noch am Telefon): „Ach so, Stimmen! Sie hören Stimmen im Ohr!“
B: „Nein ich hör keine Stimmen!“
HH: „Also echt jetzt! Sie meint immer noch nicht Sie! Außerdem bin ich eh vor Ihnen dran!“
A (noch am Telefon): „Hören Sie die Stimmen immer oder nur wenn Sie telefonieren? ... Na was weiß ich, hätte ja sein können! Weil, die Stimme jetzt, das bin ich! (kichert) ... Na, ich weiß nicht, ob Sie bei uns so richtig sind … Aber na gut, dann kommen Sie gleich mal vorbei. Ja, genau, heute noch.“
B: „Komm ich schneller dran, wenn ich sage, dass ich Stimmen im Ohr höre?“
HH: „Ich fürchte, ICH komme schneller dran, wenn Sie das sagen.“
B: „Na gut dann nicht.“
A: „Wer war jetzt der nächste? Frau Heiland, richtig?“
B: „Sie hört Stimmen im Ohr. Komm ich jetzt dran?“

Dienstag, September 11, 2007

Wissen, dass man alt ist

Zehlendorf, Teltower Damm, an der Ampel.

Dramatis Personae:
17jähriges Mädchen A
17jähriges Mädchen B
HH

A: "Ey und da gibt's sone Band, voll krass, die heißt Nirvana!"
B: "Echt jetzt? Sind die neu oder was?"
A: "Weiß ich nicht, aber voll der coole Song, Smells like... irgendwas."
HH (mischt sich ungefragt ein): "Teen Spirit. Smells Like Teen Spirit."
A: "Was echt, Sie kennen die?"
HH: "Klar. Nirvana, Kurt Cobain..."
B: "Wer is das jetzt wieder?"
HH: "Der Sänger. Son Blonder. Hat sich erschossen vor... äh... dreizehn Jahren oder sowas. Da hab ich grad Abi gemacht."
A&B: "Krass!"
HH: "Was, dass er sich erschossen hat?"
A: "Nee, dass das Zeug schon so uralt ist! Ich dachte, das wär'n neuer Song und so!"
HH: "Ah. Ja. Klar. Danke, also."