Donnerstag, April 10, 2008
Dienstag, April 08, 2008
Scones mit Tee
Dramatis Personae:
Verlagsvertreter V
HH (versucht, guten Eindruck zu machen)
Frau am Nebentisch F (offensichtlich unzufrieden)
Mann am Nebentisch M (offensichtlich unglücklich verheiratet)
HH (rührt im Tee)
V (türmt Sahne und Marmelade auf Scones)
F (sehr laut): Und überhaupt, dieses Geschirr! Können die nicht mal anständiges Geschirr bringen? Ich hasse es, wenn mein Teegeschirr so aussieht!
M (sehr leise): Aber da ist doch alles in Ordnung.
F: Nichts! Nichts ist in Ordnung! Da! Eine Delle! Und da!
M (noch leiser): Das stört doch nicht, das ist die Untertasse.
HH (murmelt): Außerdem gehört das so.
F: Was? Was hat die Frau da gesagt?
M: Nichts, ich hab nichts gehört!
F: Und dieser Kuchen! Warum bringen die mir so einen Kuchen! Der ist ja riesig! Ich hasse riesigen Kuchen, und dann noch auf so einem kleinen Teller! Ich hasse kleine Teller!
HH (murmelt): Die sind berühmt für ihren Kuchen.
F: Da! Schon wieder! Die Frau da drüben redet dauernd über mich!
M: Ich hab ehrlich nichts gehört.
F: Und man sieht ja gar nichts. Hier ist gar keine Elbe. Wollten wir nicht an die Elbe?
M: Nun sind wir hier.
F: Wir hätten gleich an die Elbe gehen sollen. Da war doch so ein schönes Lokal. Mit anständigem Geschirr und kleinen Kuchen.
M: Das nächste Mal.
F (wütet weiter, diesmal über den Tee und die Sonne, die reinscheint)
V: Frau Heiland, irgendwie kann ich mich nicht konzentrieren.
HH: Ich mich auch nicht.
V: Man könnte Strichlisten machen. Von Louis Vuitton-Handtaschen.
HH: Sie die Handtaschen, ich die Geldbeutel. Wer zuerst zehn hat, hat gewonnen.
F: Und diese Bedienung ist das allerletzte! Ich hasse langsame Bedienungen!
V: Wir könnten uns aber auch woanders hinsetzen.
HH: Die hört man überall.
V: Vielleicht gehen die gleich.
HH: Wär das nicht was.
V: Wollen Sie auch von den Scones?
HH: Wird sie davon leiser?
V: Nee, schmecken trotzdem.
F: … und dieser Lang Lang! Hat keine Ahnung vom Spielen! Warum muss ich mir den immer anhören? Ich hasse es, wenn ich dem zuhören muss! Keinen klaren musikalischen Gedanken kann der fassen!
HH (seufzt): Und ich kann insgesamt keinen klaren Gedanken fassen.
F: … Schönberg zum Beispiel …
HH (genervt): Schönberg auch noch!
F: …Schönberg zum Beispiel! Das kann er ja gar nicht!
M (murmelt sehr leise)
HH: Schönberg muss ja auch nicht sein.
F: Da! Schon wieder! Dauernd redet sie mit mir!
HH (dreht sich um): Schönberg! Also echt!
F: Ähm, gut, das war vielleicht kein gutes Beispiel. Aber Liszt!
HH: Liszt was?
F: Na, Lang Lang!
HH: Ja was?!
F: Kann er nicht!
HH: Können Sie?
F: Aber ich muss es mir anhören!
HH: Nö.
F: Aber …
HH: Sie können auch gehen.
F: Mitten im Konzert!
HH: Wunderbar! Aufstehen und gehen. Ganz einfach.
M: Das hätten wir mal tun sollen.
HH: Das geht auch im Café. Aufstehen und gehen. Probieren Sie’s mal. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt.
V: Frau Heiland, vielleicht sollten wir …
HH: Ich k a n n’s nicht mehr hören!
M: Kenn ich gut!
F: Walter!
M: Ist doch wahr! Ich zahl jetzt.
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Henrike
um
2:21 PM
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Montag, April 07, 2008
Wir, Deutsch.
Da gibt es doch diese Werbung für diesen französischen Weichkäse: Kommt ein lautes deutsches Pärchen in den Käseladen gerannt und labert den armen französischen Käseverkäufer auf Deutsch voll, in selbstverständlicher Erwartung, dass er sie verstehen wird. Vermittelt so ein bisschen „Man spricht Deutsh“-Atmospähre und passt auch zu dem hier.
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Henrike
um
5:46 PM
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Dings
Dramatis Personae:
HH (Papa am Telefon)
DHL-Bote B (genervt vom Treppensteigen)
HH: Nee Papa wart mal da is grad Dings, ähm, Post... Tach!
B: Päckchen!
HH: Super! (unterschreibt) Ach wenn ich nicht da bin, könnten Sie’s einfach … (Papa brabelt was ins Telefon) …in dieses Dings… Papa jetzt wart mal!
B: Dings?
HH: Dings, ähm, na wo Sie sonst immer meine Pakete und Päckchen und so…
B: Nach nebenan?
HH (Papa brabelt was ins Telefon): Papa jetzt WART mal! Nein, nicht nach nebenan, dieses Dings, wo man immer diese Karte für kriegt…
B: Kartendings?
HH: Verdammt, wie heißt das! Wo man rund um die Uhr… (Papa brabelt was ins Telefon) Papa GLEICH!
B: Packstation!
HH: Sag ich doch. Dings.
B: Mach ich.
HH: Super.
B: Gruß an den Papa.
HH: Der sagt auch immer zu allem Dings. Das vererbt sich.
B: Kenn ich gut.
HH: Haste gehört, Papa? Jetzt bin ich wieder da. … Nee, das war nur der Dings, ähm, ja.
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Henrike
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2:01 PM
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Sonntag, April 06, 2008
Sonntagsspaziergang
Strandweg, Blankenese.
Dramatis Personae:
Papa (ca. 40), will gemütlichen Sonntagsspaziergang
Sohn (noch keine 3), will mit neuem Fußball spielen
P: Komm auf den Bürgersteig, gleich kommt wieder ein Auto.
S: Kein Auto!
P: Dooooch, komm her, ich trag Dir den Ball, sonst rollt der unter ein Auto.
S: Kein Auto!
P: Doooooch, da kommt bestimmt gleich wieder eins.
S: Da vorne dann weiterspielen?
P: Ähm, nein, das geht nicht.
S: Will aber!
P: Aber da vorne ist doch gleich das Wasser, und dann fällt der Ball in die Elbe.
S: Jaaaaaaa!
P: Nein! Das ist nicht gut! Du weißt doch, wenn der Ball ins Wasser fällt, kann ihn der Papa nicht mehr rausholen.
S (heult)
P: Es g e h t nicht!
S (heult): Waruuuuuum?!
P: Weil… Das Wasser ist zu kalt für den Papa.
S (heult): Waruuuuuum?!
P: Naja es ist halt… kalt, und dann gibt’s da noch die Strömung, und da fahren auch lauter… Schiffe, guck mal, da kommt auch wieder eins, und stell Dir mal vor, der Ball fällt ins Wasser und der Papa holt ihn raus und schwupp, wird er vom Schiff überfahren!
S (hört auf zu heulen, leuchtende Augen): Schiff! Da!!!
P: Ja.
S (begeistert): Papa schwimmt unter Schiff durch!
P: Na klasse, sowas haste von Deiner Mama, was?
S (kickt den Ball in Richtung Fluss)
P (rennt hinterher): G a n z die Mama.
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Henrike
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11:52 PM
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Mittwoch, April 02, 2008
Westdeutschland
Ich weiß jetzt, was es ist, also was die Atmosphäre so anders macht. Ich hab mal auf ein paar Sachen geachtet. Da ist natürlich zum einen der typische Eigenheimnachkriegsbaustil, und dass in den letzten zwanzig Jahren im Osten viel mehr renoviert wurde als im Westen, und so weiter und so weiter. Aber das ist es nicht alleine. Es ist die Anwesenheit dieser wirklich schlechten Chinarestaurants im 80er-Look. Die hat seit den 90ern keiner mehr so eröffnet. In den wirklich konservativen, alteingesessenen westdeutschen Regionen gibt es kaum bis keine Japaner, Koreaner, Vietnamesen, Thailänder. Immer nur Chinesen im 80er-Look. Und nochwas: Niemand ist seit den 90ern auf die Idee gekommen, Kegelbahnen in Gaststätten reinzubauen. Oder? Diese Restaurants mit Kegelbahn im Keller, das hat man nicht mehr, glaube ich. Außer in Westdeutschland, in diesen Nachkriegsgaststätten.
Wir haben hier irgendwo einen Chinesen mit Kegelbahn.
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Henrike
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11:00 AM
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Montag, März 31, 2008
Shopping in Blankenese
In der Blankeneser Bahnhofstraße, vor einer Boutique.
Dramatis Personae:
Frau A (Ende 40, blond, enge Hosen in hohen Stiefeln, Trenchcoat, LV-Handtasche, Burberryschal, Schlüssel für SUV in der Hand)
Frau B (Ende 40, blond, enge Hosen in hohen Stiefeln, Trenchcoat, LV-Handtasche, Burberryschal, Schlüssel für SUV in der Hand)
A: Kuck mal das Kleid...
B: Mhmmmm...
(Schweigen und kucken)
A: Meinste, ich könnt das tragen?
B: Bestimmt...
A: Auch die Farbe?
B: Klar. Was kostet's denn?
A: 795.
(Schweigen und kucken)
B: Geht eigentlich.
A: Für den Preis...
B: Kann man nichts verkehrt machen.
A: Wenn ich's dann doch nicht anziehe, ist es auch nicht schlimm.
B: Gibste dann einfach wieder Deiner Putzfrau mit.
A: Die nimmt das ja gerne.
B: Eben. Hat ja jetzt auch wieder abgenommen.
A: Gut, lass uns reingehen.
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Henrike
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1:33 PM
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In Hamburg gibt's ja alles.
Besonders in Blankenese. Da haben wir: Bäume,Leuchttürme,
Schiffe,
Schiffe mit Bäumen und Leuchttürmen,
...und moderne Friseursalons.Das ist schon toll.
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Henrike
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12:22 PM
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Donnerstag, März 27, 2008
Understatement auf Hamburgisch
Die Hamburger, hieß es ja immer, die Hamburger sind ganz zurückhaltende Menschen, understatement wird da ganz groß geschrieben. So ist das, denke ich, während ich mich durch den Verkehr quäle und von allen Seiten definitiv grundlos angehupt werde. Ganz zurückhaltend, und vor lauter understatement fahren sie nicht nur kriminell, sondern auch noch die größten Wagen, die man noch fahren kann, ohne dass es zum LKW ausartet. Überall Range Rovers und Jeeps und wie sie alle heißen. Ich muss an Traktoren denken und daran, dass früher Männer in solchen Dingern rungekurvt sind, wenn sie zum Jagen in den Wald wollten. Jetzt fahren Männer die Sportcoupés und ihre Frauen holen mit dem Traktor das Kind von der Schule ab, nachdem sie vorher kurz beim Feinkost-EDEKA zwei Salatköpfe geholt haben. Die liegen dann auf der Ladefläche, quatsch, im Kofferraum.
Ein Rätsel auch, wie die Damen ihre Traktoren in den engen Gassen des Treppenviertels parken? Kein Rätsel, man geht einfach nur mal schauen und beglückwünscht sich hinterher, dass man da niemals selbst mit dem Auto hinmuss.
Ich parke jedenfalls meinen Käfer (immer noch nicht umgemeldet) zwischen den schwarzen Monstern und gehe, zum ersten Mal in diesem Hamburg, zum Haareschneiden. Understatement, erinnere ich mich nochmal, bevor ich den Laden betrete. Ich habe München durchgestanden, ich werde auch hiermit fertig. Hier sollen sie ja viel zurückhaltender sein. Außer beim Autofahren. Und bei den Autos.
Sie sind überhaupt nicht viel zurückhaltender, und sowas wie das hier, das ist mir in München nicht begegnet: die Spiegel hängen in schweren, blattgoldenen Holzrahmen, und die Tischchen, auf denen man die Vogue, den Cappuccino und die Pradahandtasche parkt, sehen nach antiken Kommoden aus. Der Sessel, in den man mich drückt, erinnert an einen englischen Clubsessel, allerdings cremefarben. Ich schaue mich kurz um, ob ich mich auch nicht in der Tür geirrt habe.
Die Hamburgerinnen selbst werfen jedes understatement über Bord, kaum, dass sie sich unter sich glauben. Da wird geprahlt von den teuren Urlauben, da werden Designerschuhe verglichen, da wird über alles geredet, was nicht nur Geld, sondern gleich viel Geld kostet.
Und alle sind blond.
Außer mir.
Deshalb schauen sie mich auch so komisch an, vielleicht, denke ich. Oder weil sie noch nicht wissen, wohin mit mir. Ich halte brav den Mund, damit sie es auch nicht rausbekommen, und lese ein Buch statt der Vogue, Skandal genug, besonders nach dem Käfer.
Haben Sie denn heute noch was Schönes vor?, drängt mich die Chefin, weil sie endgültig herausfinden will, was ich für eine bin. Och, sage ich und will es für mich behalten. Ein Meeting?, neugiert sie weiter. Aha, man denkt immerhin in solchen Kategorien, die Frauen hier arbeiten auch zum Teil und sind nicht nur fremdfinanziert. So ähnlich, murmele ich. Wo denn?, wird sie nun ganz platt unverschämt. Damit ich Ihnen die richtige Frisur machen kann. Im Jacob, nuschele ich, und sie strahlt, so gehört sich das, ein Termin im Jacob, trotz Käfer und Buch und Nichtblondie.
Understatement, höre ich eine Kundin flüstern, diese Berliner haben's einfach drauf.
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Henrike
um
5:45 PM
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