Dienstag, Dezember 11, 2007

Heute machen wir Aktenordner

P: Was machst Du denn mit Deinen ganzen Unterlagen? Wo sind die überhaupt.

H: Ich geb doch immer alles meiner Steuerberaterin, die lagert das ein.

P: Und wenn Du mal was brauchst, zum Beispiel… irgendwas von vor drei Jahren oder so?

H: Wie meinst Du das, wozu soll ich das brauchen?

P: Naja, was ist denn mit so Sachen wie Mietvertrag oder Versicherungsscheinen?

H: Schau mal, mein Schreibtisch, der hat ganz viele Schubladen, die sind fast wie Ordner.

P: Das gehört alles in Ordner, und die Ordner gehören da auf das Regal.

H: Mein Bücherregal ist ein Bücherregal, da kommen keine Ordner rauf.

P: Wie bist Du eigentlich durchs Studium gekommen? Hattest Du da auch keine Ordner?

H: Na, warum hab ich wohl nicht Jura studiert? Richtig, weil ich keine Ordner anlegen kann.

P: Da drüben an die Wand könnte man doch noch einen Schrank für Akten…

H: Das Klavier bleibt stehen wo es ist!

P: Wir kaufen jetzt Ordner.

H: Ich habe Ordner! Da! Da liegen doch welche!

P: Die sind ja leer! Ich dachte, da ist schon was drin!

H: Was soll denn da drin sein?

P: Unterlagen?

H: WAS für Unterlagen?

P: Ich fang jetzt mal an aufzuräumen. Dann finden wir bestimmt ein paar Unterlagen, die wir in die Ordner tun können.

H: Nein! Nicht meine Noten wegwerfen!

Parallelwelten (Eltern)

Es gibt gute Gründe, seine Eltern nicht in die eigene Wohnung zu lassen. Eltern haben häufig ein anderes Verständnis von Ordnung und Lebensart als man selbst, und vor allem werden Eltern sofort wieder ganz schrecklich zu Eltern, wenn sie erstmal in der Nähe ihrer Kinder egal welchen Alters sind.
Nach drei Jahren ist nun aber Papa zum ersten Mal in meiner Wohnung, und es passiert alles, was zu befürchten war. Er organisiert die Küche um und verkabelt die elektrischen Geräte neu. Er inspiziert Handtücher und Spülschwämme und macht gleich mal Listen, was ich alles neu brauche. Er sucht beim Essen sogar, ohne mit der Wimper zu zucken, nach dem Serviettenhalter („WAS suchst Du???“ – „Wie, Du hast KEINEN?“). Erst als ich mich im Schlafzimmer auf den Boden werfe und „Stop! Die Putzfrau war erst GESTERN hier!“ schreie, macht er den Staubsauger aus und stellt ihn wieder weg. Es folgen diverse Verbesserungsvorschläge, was die Garderobe angeht, unverständliche Fragen zur Bauweise des Hauses und eine umfassende Inspektion und Neuordnung der Lebensmittelvorräte.
Irgendwann entdeckt er den Schuhkarton, in dem ich die Steuerunterlagen sammle. Natürlich rupft er ihn auf und ordnet alles. Danach entdeckt er die vielen ungeöffneten Briefe, die hier so herumliegen, und weil er nicht glaubt, dass ich weiß, was drinsteht und es keinen Handlungsbedarf gibt, öffnet er sie alle und liest sie. Natürlich gibt es Handlungsbedarf, der besteht im Abheften, nur, dass ich keine Ordner habe. Es folgt eine neuerliche Aufzählung an praktischen Haushaltsdingen (sans Serviettenhalter), und ich sehe mich schon mit ihm im Obi-Markt flanieren. Dass der VG-Wort-Scheck unbedacht auf dem Klavier liegt, erschüttert ihn, den Ex-Banker, bis ins Mark, schließlich könne er doch so im Müll landen. Meine Frage, wer den Scheck denn wohl in den Müll werfen würde, weil er nicht weiß, dass es ein Scheck ist, beantwortet er mit einem würdevollen Schweigen.
Ich vermute, ihm ist langweilig. Also denke ich über Beschäftigungstherapien nach. Schicke ihn zum Einkaufen (zu Fuß) und ködere ihn schließlich mit ein paar DVD-Dokumentationen über das Nachkriegsdeutschland. Das ist in etwa so, wie wenn man seine gerade Schulpflichtigen für drei Stunden vor Spongebob setzt: Ruhe kehrt ein. Naja nicht ganz: Das Sofa ist ihm zu niedrig, ich soll es bitte zum Sperrmüll geben und mir ein neues kaufen, da gibt es ganz tolle von Benz, nur so zum Beispiel. Ikea, sage ich und denke ernsthaft über die Existenz von Parallelwelten nach und wie es sein kann, dass manche Kinder so aus der Umlaufbahn geraten, dass sie gleich das Sonnensystem wechseln.
Berlin behandelt er wie die Kleinstadt, in der er lebt und die eigentlich ein Dorf ist: Er will irgendwann diese Woche noch „in die Stadt“ fahren. Ich lasse eine Stunde später beiläufig den Reiseführer mit Karte auf dem Wohnzimmertisch liegen, so als hätte er noch nie woanders gelegen. Als er die Berlin-Meldungen im Radio hört, ist es, als sei all das direkt vor meiner Haustür geschehen. Das Busunglück war nicht in Tegel, sondern gefühlt in der Clayallee, und das getötete Kleinkind liegt nicht mehr im Straßengraben von Moabit, sondern vor Vaters geistigem Auge in einem der Parks der FU.
Nun ist also passiert, was ich sonst im Jahreskreislauf zu vermeiden weiß, unter anderem durch die Aussparung von Weihnachten in der sogenannten Heimat (=mittelhessisches Sperrgebiet): Ich bin wieder ganz Kind. Wenn man behandelt wird wie sechzehn, dann benimmt man sich meistens auch so. Geht irgendwann mürrisch in sein Zimmer, hört laute Musik und lässt überall seinen Müll rumliegen.
Dafür habe ich jetzt, nach nur einem Tag, die sauberste Wohnung in ganz Dahlem. Auch die ordentlichste und aufgeräumteste. Mein Klospülkasten ist repariert, meine Stereoanlage läuft wieder, und meine Mäntel hingen nie schöner in Reih und Glied. Ich bestelle heimlich im Internet ein paar von den Sachen, die er als unverzichtbar aufgezählt hat (immer noch sans Serviettenhalter, der ist nach wie vor verzichtbar). Und dann verstehe ich: Es geht gar nicht darum, dass ich in manchem nachgegeben hätte oder mich seinem Willen beugen würde. Sondern einfach nur darum, dass er auch manchmal Recht hat. Nicht immer, weil er aus einem anderen Universum stammt, aber manchmal gelten die gleichen Naturgesetze, und dann hat er Recht.
Es ist gar nicht so leicht, das mit dem Erwachsenwerden.

Samstag, Dezember 08, 2007

Post (Edinburgh)

Autogramme finde ich ganz besonders überflüssig. Ich habe mir noch nie ein Autogramm geben lassen. Der einzige Sinn eines Autogramms ist doch der, dass man jedem erzählen kann: Da, schau, hab ich getroffen, ganz persönlich!

Jaja, für fünfeinhalb Sekunden, nach einer Stunde Schlangestehen. Zusammen mit den anderen hundert Leuten.

Heute Morgen kam ein Päckchen: Der neue Rankin, ohne Lieferschein, ohne sonstwas. Kenn ich doch schon, denke ich, fange trotzdem an, darin zu blättern, und sehe: Ein Autogramm. Mit Widmung. Und einem Smiley. Ohne Schlangestehen, aber auch ohne ihn getroffen zu haben. Was jetzt? Ich bin entzückt und rufe erstmal fünf Freundinnen an. Stelle das Buch ganz vorsichtig in den Bücherschrank zu den anderen. Nehme es wieder weg und lege es auf mein Stehpult. Nehme es wieder weg und lege es auf den Wohnzimmertisch, damit jeder, der mich besucht, es sofort sieht und in die Hand nimmt und aufschlägt und… Nehme es wieder weg und lege es auf den Nachttisch, griffbereit. Nehme es wieder weg, lege mich auf die andere Seite und lese es zum zweiten Mal.

(Neiiiin, ich rauche nicht, das ist ein ALTES Foto.)



Singlemarkt des Jahres

Unser Tengelmann unten in Zehlendorf Mitte ist Supermarkt des Jahres 2007, aber das hab ich irgendwie heute erst gemerkt. Ich habe keine Ahnung, wie man Supermarkt des Jahres wird. Vermutlich aber so, wie man Hotel des Jahres oder Weinstube des Jahres oder Vietnamese des Jahres wird: Umbauen, Party für die Juroren schmeißen, Titel einstecken.
Letztes Jahr hat der Tengelmann umgebaut. Das führte einige Wochen zu kompletter Verwirrung unter den Einkaufenden. Sie haben den Laden nämlich hinterher spiegelverkehrt eingerichtet. Heerscharen von Kunden mühten sich verzweifelt und fruchtlos, durch den Ausgang in den Laden zu gelangen. Hatte man es irgendwann durch die neue Marktöffnung hineingeschafft, nahm das Elend seinen Lauf: Lange Einkaufswagenschlangen stauten sich vor den Marktmitarbeitern, die nicht dazu kamen, die schicken neuen Regale aufzufüllen, weil sie ständig den Kunden erklären mussten, wo die Sachen neuerdings eingeräumt waren. „Aber der Reis stand doch früher IMMER …“ war kein gültiges Argument mehr.
Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt, die Zehlendorfer haben sich an das spiegelverkehrte Einkaufswunder 2007 gewöhnt. Er ist zu einer Art Singletreff und Flirtoase mutiert, seit der Laden auch bis 22 Uhr offen hat („Müssen Sie auch immer so lange im Büro schuften?“) und die DSL-Packstation („Ach, erklären Sie mir doch mal, wie das geht!“) davor thront. Praktischerweise wurden auch noch kleine Feinschmeckimbisse im zur Straße gehenden Gebäudeteil eingerichtet. Die Pärchenbildung ist auffallend, der Anteil an Alleinstehenden, die wie zufällig nach einem laaangen Einkauf noch laaange an den Feinschmeckbuden herumhängen auch. Geht man alleine in den Markt, wird man beäugt wie nur früher beim Tanztee, und ich erinnere mich mit einem unguten Ziehen in der Magengrube an das Singleshopping damals in München beim WalMart, jeden Freitag zwischen 19 und 20 Uhr, da durfte man auf gar keinen Fall einkaufen gehen. Das also hat unser Tengelmann nun täglich außer Sonntag rund um die Öffnungszeit. Ich warte darauf, dass sie entsprechende Aushänge am Schwarzen Brett machen: Statt „Ältere Dame sucht Bridgepartnerin“ schnöde Kontaktanzeigen. Der Supermarkt des Jahres löst parship.de ab, nachdem die Internetsinglebörsen das Herumhängen ins Bars und Clubs abgelöst haben. Jedenfalls in Zehlendorf Mitte.
Noch drei Wochen ist unser Tengelmann Supermarkt des Jahres, und danach will ich unbedingt wissen, wie und wo es weitergeht und ob der neue Supermarkt des Jahres auch solche einschneidenden Konsequenzen für seinen Kiez hat.

Donnerstag, Dezember 06, 2007

Wunder der Technik

Seit etwas über einer Woche hab ich einen neuen Rechner mit einem neuen Betriebssystem und dem neuen Word. Und seit einer Woche suche ich verwirrt nach grundlegenden Funktionen wie "speichern unter", ohne sie zu finden. Bei "Hilfe" will ich nicht nachsehen, das ist so eine ganz männliche Eigenschaft von mir, das will ich selbst rausfinden. Und HEUTE (!) merke ich, dass dieses komische runde Zeichen oben links nicht etwa lustige Deko ist, sondern anklickbar. Dahinter verbergen sich dann im Dialogfeld alle Funktionen, von denen ich schon dachte, sie seien wegen Banalität abgeschafft worden. Jetzt schäme ich mich ein bisschen.

Westberliner Befindlichkeiten: Wie man die Konservativen dazu bringt, Emma-Abonnenten zu werden

Alice Schwarzer ist im Moment das Flaggschiff der CDU in Charlottenburg-Wilmersdorf. Frau Schwarzer hat kürzlich die rot-grünen Prostitutionsgesetze kritisiert, weshalb eine Bibliothek in Charlottenburg nun nicht mehr nach ihr benannt werden soll, sagt die SPD. Woraufhin die CDU sich gleich auf die Seite der Frauenrechtlerin stellt und der SPD Intoleranz vorwirft. Ach, Politik kann so schön sein. Ich stelle mir gerade die Charlottenburg-Wilmersdorfer CDU-Abgeordneten vor, wie sie beim Christopher Street Day in Engelskostümchen mithoppsen, nur ums der SPD zu zeigen, ha!

Montag, Dezember 03, 2007

Hilfreiches

„Schreib doch mal sowas wie Harry Potter.“

„Du musst einfach zu dem Kerner in die Talkshow.“

„Lass doch Deine Bücher verfilmen! Am besten mit dem Brad Pitt oder so einem.“

„Der Spiegel muss einfach mal Dein Foto auf die Titelseite machen.“

„Frag doch den Reich-Ranicki, ob der was über Dich schreibt.“

„Schick einfach der Heidenreich Dein Buch, damit die das vorstellt.“

„Lass die von der Gala ne Homestory bei Dir machen, dann wird das schon.“

„Du musst Deinem Verlag sagen, dass die so Plakatwände mit Werbung für Deine Bücher machen!“

„Im Fernsehen da auf Vox und so gibt’s immer Buchtipps, wär das nix?“

„Wenn Du erstmal in der Spiegelbestsellerliste bist, dann läuft das auch!“

„Schreib halt keine Krimis, sondern sowas wie die Pilcher, das lesen Frauen viel lieber.“

"Get me new faces..."

Dramatis personae:

HH

Befreundeter Musiker M

HH: Oh, a new album! Do send me a copy! Or no, wait, I can ask Claire.
M: Claire?
HH: You remember Claire. The blonde. Very beautiful.
M: Aaaaaah, she’s weird, isn’t she?
HH: Erm, weird? I don’t …
M: The weirdo! Claire! I remember now! She keeps following us aro
und. Wherever we play, she’s there. She even stays in the same hotels. Between us – I think she’s a stalker!
HH: Darling, she’s your tour manager’s assistant.
M: Oh – Claire! Right …

Sonntag, Dezember 02, 2007

Not Ian, not now

Im Moment fällt ja erstmal alles aus, zum Beispiel mein Erscheinen auf br-alpha (dabei hatte ich mir extra eine schwarze Hose…). Oder das Abendessen mit Ian Rankin (dabei hatte ich mir extra einen neuen Rock…), und bei Rufus Wainwright war ich auch nicht (dafür hatte ich mir nichts extra gekauft, konnte trotzdem nicht).
Wohl zum ersten Mal seit langem habe ich Zeit, in die ganzen ungelesenen Bücher, die hier gestapelt herumstehen, reinzulesen. Ich hab schon angefangen: Veronica Stallwood zum Beispiel ist un-les-bar, und von Oxford bekommt man nichts mit. Martin Edwards walzt eine Kurzgeschichtenidee auf Romanlänge aus, und danach möchte man nicht mehr an den Lake District fahren aus Angst, man langweilt sich zu Tode. Der neue Nesser hingegen ist ganz unterhaltsam, auch wenn ich weiß, dass viele ihn irritiert hassen werden. Mit Elizabeth George hab ich im Grunde schon vor fünf Büchern abgeschlossen, will es aber offenbar nicht wahrhaben und versuche es immer wieder, nur um zu sehen, dass das Thema für mich doch durch ist. Ein bisschen wie mit einem abgelegten Liebhaber. John Irving ist bis jetzt schön unterhaltsam, und Ian Rankins „Exit Music“ hab ich auch schon durch, da bin ich parteiisch, da sag ich eh immer nur, dass es genial ist. Mal sehen, was als nächstes drankommt.
Vielleicht sollte ich mich mal an die Überarbeitung von meinem MS machen. Einen Schauplatz werde ich wohl umschreiben müssen. Mr Rankin war schneller. Gemeinheit. So gesehen ganz gut, dass wir nicht zusammen essen gehen. Ich wäre nicht besonders freundlich zu ihm gewesen.

Adventliches

Der Autor, heißt es, langweilt sich nie, denn er kann alles, was er erlebt, in irgendeiner Form in seinen Geschichten verarbeiten. Man lernt immer etwas dazu, heißt es, und kann alles wunderbar abstrahieren und verallgemeinern. Gelernt habe ich in den letzten Tagen:
• Man muss deutlich mehr als ein bis zwei Liter Blut verlieren, bevor man ohnmächtig wird. Vorher hat man immer noch ausreichend Energien, Ärzte zu beleidigen und Krankenschwestern anzukeifen. (Dit is die Panik, sagt der Oberarzt. Sie dürfen mich ruhig hassen, ick wees, dit tut dolle weh.)
• Wenn man will, dass im Notfall ein echter Arzt zu einem nach Hause kommt, darf man nicht 112 wählen, oder man muss denen am anderen Ende der Leitung klar machen, dass man einen echten Arzt braucht. Ansonsten kommen zwar sehr nette und gut gelaunte, aber medizinisch nur grundlegend ausgebildete junge Herren, die schon mal etwas überfordert wirken können.
• Das Krankenkassenkärtchen ist wichtig, auch und besonders, wenn es sehr schlimm um einen steht. Vermutlich ist es das erste, was Rettungssanitäter lernen: Immer nach der Karte fragen, auch wenn der Patient knietif in seinem eigenen Blut watet.
• An Blaulichtfahrten kann man sich nur ganz schwer erinnern. Zeitabläufe werden dann extrem relativ. Hinterher gibt es aber immer eine sehr hilfreiche entfernte Nachbarschaft, die zwar nicht weiß, worum es ging, aber alles im Detail berichten kann. Dabei erzählt jeder etwas anderes.
• Der Hinweis „Ich blute überall hin“ ist unpräzise, wird gerne missverstanden und sowohl im Rettungswagen als auch im Krankenhaus mit einem „Das macht nichts, das können wir wegwischen“ gewürdigt. Offenbar ist es für Menschen, die gerade kein Blut verlieren, zweitrangig, dass derjenige, der es verliert, gerne noch ein paar Tropfen im eigenen Körper behalten würde. Dafür scheint aber ganz klar, dass der Verblutende sich selbstverständlich um die Einrichtung sorgt.
• Irgendwann allerdings, wenn der erste Schock vorbei ist und man das Gefühl hat, medizinische Kompetenz ist auf dem Weg, denkt man tatsächlich über Schadensbegrenzung nach und sagt Dinge zur Krankenschwester wie: „Der Pullover ist neu, passen Sie auf, wenn Sie ihn mir für lebensrettende Maßnahmen vom Leib zerren.“ Oder: „Der Rock kann nur in die Chemische, versuchen Sie mal, dass da nicht zuviel Blut rankommt.“ (Dit nennt sich Übersprungshandlung, sagt der Oberarzt.)
• Scham ist ein seltsames Gefühl. In Momenten höchster Not verschwindet sie weitestgehend, kehrt aber einige Tage später umso gewaltiger zurück. Man wälzt sich dann mit einem gequälten Stöhnen im Bett, die Schwester sorgt sich, ob man Schmerzen habe, doch in Wahrheit denkt man zurück und schämt sich entsetzlich, entgegen aller Vorgaben des Verstandes. Kaum hat man überlebt, stehen antrainierte Verhaltensmuster wieder ganz oben.
• Ärzte schätzen es nicht, wenn man sie mehrfach fragt, ob sie wissen, was sie da tun, ob sie das vorher schon mal getan haben, und ob sie nachts um eins wirklich noch wach genug und in der Lage sind, zu operieren.
• Liegt man zufällig aus Platzmangelgründen in einem Privatpatientenzimmer, wundert man sich schnell, wie schön es in so einem Krankenhaus sein kann. Man bekommt sogar einen Speiseplan und darf Sachen ankreuzen.
• Wenn man in einem Krankenhaus der Siebenten-Tags-Adventisten gelandet ist und die Schwestern erstmal verstanden haben, dass man nicht Heilmann, sondern Heiland heißt, schlägt die Begeisterung hohe Wellen.
Ich bin gespannt auf meinen nächsten Roman, ganz ehrlich.