Montag, März 31, 2008

Shopping in Blankenese

In der Blankeneser Bahnhofstraße, vor einer Boutique.

Dramatis Personae:
Frau A (Ende 40, blond, enge Hosen in hohen Stiefeln, Trenchcoat, LV-Handtasche, Burberryschal, Schlüssel für SUV in der Hand)
Frau B (Ende 40, blond, enge Hosen in hohen Stiefeln, Trenchcoat, LV-Handtasche, Burberryschal, Schlüssel für SUV in der Hand)

A: Kuck mal das Kleid...
B: Mhmmmm...
(Schweigen und kucken)
A: Meinste, ich könnt das tragen?
B: Bestimmt...
A: Auch die Farbe?
B: Klar. Was kostet's denn?
A: 795.
(Schweigen und kucken)
B: Geht eigentlich.
A: Für den Preis...
B: Kann man nichts verkehrt machen.
A: Wenn ich's dann doch nicht anziehe, ist es auch nicht schlimm.
B: Gibste dann einfach wieder Deiner Putzfrau mit.
A: Die nimmt das ja gerne.
B: Eben. Hat ja jetzt auch wieder abgenommen.
A: Gut, lass uns reingehen.

In Hamburg gibt's ja alles.

Besonders in Blankenese. Da haben wir: Bäume,
Leuchttürme,
Schiffe,
Schiffe mit Bäumen und Leuchttürmen,

...und moderne Friseursalons.Das ist schon toll.

Donnerstag, März 27, 2008

Understatement auf Hamburgisch

Die Hamburger, hieß es ja immer, die Hamburger sind ganz zurückhaltende Menschen, understatement wird da ganz groß geschrieben. So ist das, denke ich, während ich mich durch den Verkehr quäle und von allen Seiten definitiv grundlos angehupt werde. Ganz zurückhaltend, und vor lauter understatement fahren sie nicht nur kriminell, sondern auch noch die größten Wagen, die man noch fahren kann, ohne dass es zum LKW ausartet. Überall Range Rovers und Jeeps und wie sie alle heißen. Ich muss an Traktoren denken und daran, dass früher Männer in solchen Dingern rungekurvt sind, wenn sie zum Jagen in den Wald wollten. Jetzt fahren Männer die Sportcoupés und ihre Frauen holen mit dem Traktor das Kind von der Schule ab, nachdem sie vorher kurz beim Feinkost-EDEKA zwei Salatköpfe geholt haben. Die liegen dann auf der Ladefläche, quatsch, im Kofferraum.
Ein Rätsel auch, wie die Damen ihre Traktoren in den engen Gassen des Treppenviertels parken? Kein Rätsel, man geht einfach nur mal schauen und beglückwünscht sich hinterher, dass man da niemals selbst mit dem Auto hinmuss.
Ich parke jedenfalls meinen Käfer (immer noch nicht umgemeldet) zwischen den schwarzen Monstern und gehe, zum ersten Mal in diesem Hamburg, zum Haareschneiden. Understatement, erinnere ich mich nochmal, bevor ich den Laden betrete. Ich habe München durchgestanden, ich werde auch hiermit fertig. Hier sollen sie ja viel zurückhaltender sein. Außer beim Autofahren. Und bei den Autos.
Sie sind überhaupt nicht viel zurückhaltender, und sowas wie das hier, das ist mir in München nicht begegnet: die Spiegel hängen in schweren, blattgoldenen Holzrahmen, und die Tischchen, auf denen man die Vogue, den Cappuccino und die Pradahandtasche parkt, sehen nach antiken Kommoden aus. Der Sessel, in den man mich drückt, erinnert an einen englischen Clubsessel, allerdings cremefarben. Ich schaue mich kurz um, ob ich mich auch nicht in der Tür geirrt habe.
Die Hamburgerinnen selbst werfen jedes understatement über Bord, kaum, dass sie sich unter sich glauben. Da wird geprahlt von den teuren Urlauben, da werden Designerschuhe verglichen, da wird über alles geredet, was nicht nur Geld, sondern gleich viel Geld kostet.
Und alle sind blond.
Außer mir.
Deshalb schauen sie mich auch so komisch an, vielleicht, denke ich. Oder weil sie noch nicht wissen, wohin mit mir. Ich halte brav den Mund, damit sie es auch nicht rausbekommen, und lese ein Buch statt der Vogue, Skandal genug, besonders nach dem Käfer.
Haben Sie denn heute noch was Schönes vor?, drängt mich die Chefin, weil sie endgültig herausfinden will, was ich für eine bin. Och, sage ich und will es für mich behalten. Ein Meeting?, neugiert sie weiter. Aha, man denkt immerhin in solchen Kategorien, die Frauen hier arbeiten auch zum Teil und sind nicht nur fremdfinanziert. So ähnlich, murmele ich. Wo denn?, wird sie nun ganz platt unverschämt. Damit ich Ihnen die richtige Frisur machen kann. Im Jacob, nuschele ich, und sie strahlt, so gehört sich das, ein Termin im Jacob, trotz Käfer und Buch und Nichtblondie.
Understatement, höre ich eine Kundin flüstern, diese Berliner haben's einfach drauf.

Mittwoch, März 26, 2008

Achso:


Auch ne Aussicht. Auf die Elbe.

Solms.


Burgsolms. Blick auf Oberndorf (Stadtteil von Solms). Man muss das mal vergrößern, also draufklicken, um die ganz Wirkung, ähm.

Montag, März 24, 2008

Uuuuuuund:


Erste Papparazzi-Fotos!

Einkaufen in Blankenese

Das hier ist ein ganz normaler Blankeneser Supermarkt neben einer ganz normalen Blankeneser Privatklinik. Zusammenhänge sind frei erfunden und rein spekulativ.


Und das hier sind ganz normale Blankeneser Geschäfte, ein bisschen englisch im Stil und in den Preisen, aber das hat ja was, ähm.

Das Treppenviertel muss man sich ungefähr so vorstellen:




Da hat man besser keine Höhenangst. (Ich habe Höhenangst.)

Das ist der Unterschied:


Zwischen einem erfolgreichen Osterfeuer...
...und einem weniger erfolgreichen Osterfeuer. Also wer noch Weihnachtsbäume braucht, unten am Elbstrand liegen sie.

Soooo,





und hier ein bisschen Abendstimmung von vor meiner Haustür.

Visiting Brad

C. geht ja nie spazieren. Sie ist berühmt dafür, dass sie Strecken, die weiter als zehn Meter sind, mit dem Auto zurücklegt. Wir sind noch in Dahlem und packen für den Umzug, als ich sage: "Oh Mann, C., das Wetter ist so super, lass uns doch mal..."
"Nein", schreit sie, "niemals!"
Wir packen schweigend weiter, und mir fällt was ein: "Sag mal, willst Du eigentlich wissen, wo der Brad Pitt wohnt?"
"Wie", fragt sie, "wo der Brad Pitt wohnt?"
"Na, der baut doch grad hier am Wannsee, weißte, Schwanenwerder."
"Echt", schreit sie, "und Du weißt wo?"
"Na klar."
"Fahren wir da hin???"
"Na klar", sage ich, "da gibt es nur ein winziges Problem..."
"Welches? Welches?" Sie schüttelt mich.
"Wir müssten da schon ein paar Meter laufen..."
Das ist ihr egal. Sie läuft sogar zweimal die Inselstraße lang und zerrt mich dann auch noch am Wannsee entlang, weil sie sich wieder abregen muss vor lauter Aufregung.
Dafür, dass ich das hier schreibe, wird sie mich umbringen. Aber hier ist der Beweis:

Sonntag, März 23, 2008

Blankenese brennt, oder so

Den ganzen Abend wundere ich mich schon über den Geruch: irgendwie rauchig. Aber gut, wer weiß, was in so einer Hafenstadt alles abgefackelt wird, vielleicht brennt aber auch in Schleswig-Holstein eine Fabrik, wer kann das schon sagen. Jedenfalls, ich komme aus Ikea raus (ausnahmsweise fast leer) und es riecht nach Lagerfeuer. In Osdorf beim Rewe riecht es immer noch nach Lagerfeuer, und sie haben, wen wundert’s, keine Eier mehr, auch keine Milch und kein Brot. Also halte ich in Blankenese an der Tankstelle und bin die einzige, die abends um zehn Eier, Milch und Brot kauft. Der Rest sind geschätzte fünfzig Jugendliche, die Bier, Schnaps und Tabak kaufen. Irgendwie komme ich mir komisch vor, abgesehen davon, dass ganz offensichtlich an den Wochenenden in Blankenese was los ist, von dem ich naturgemäß noch nichts weiß.
Ein paar Stunden später, so gegen halb zwei, finde ich, es ist Zeit für einen Spaziergang, man muss sich ja auch mal bewegen, und die paar Treppen runter zur Elbe sind schon ok. Auf der Blankeneser Hauptstraße, die in Wirklichkeit eine winzige, enge Einbahnstraße ist, überfahren mich zeitversetzt gleich drei Einsatzwagen der Polizei. Ich freue mich schon, wie gut die Gegend bewacht ist, als mir verdächtig viele Menschen entgegen kommen. Auf allen Treppen wanken vermummte Gestalten herum, und ich bekomme das Gefühl, dass irgendetwas los ist, von dem ich naturgemäß noch nichts weiß. Soweit war ich schon an der Tankstelle. Aber nun sind es andere Leute.
Unten an der Elbe klärt sich dann alles auf: Hier sind die ganzen Polizisten, hier sind die Kids von der Tanke, und hier kommt der Lagerfeuergeruch her (wie er bis zu Ikea kommen konnte, ist allerdings noch ein Rätsel, aber vielleicht haben die da auch Osterfeuer). Osterfeuer also. Die Kids sind sturzbesoffen, pinkeln – Männlein wie Weiblein – in die Elbe, halten sich gegenseitig die Köpfe beim Kotzen und plaudern mit den Dealern, die sich gar nicht unauffällig um die einzelnen Feuer gesellt haben. Krankenwagen stehen auch schon überall herum und warten, genau wie die Polizisten, am Strandweg, was so alles passiert.
Ich versuche, unauffällig durch die Menge zu huschen, ein bisschen Strand will ich noch mitnehmen in dieser Nacht, aber die Deppen hinter mir haben sich in den Kopf gesetzt, mit Feuerwerksraketen nach mir zu werfen. Mit gezündeten. Ich verstehe, was Hakenschlagen bedeutet und wie sinnvoll es sein kann. Endlich wieder sicher auf einer der Treppen angekommen, renne ich in Richtung neue Heimat. Jetzt ist es viel leerer als noch vorhin. Bis auf einen schnieken jungen Menschen, der mit deutlicher Schlagseite aus dem Hause seiner deutlich wohlhabenden Eltern kommt. Deutlich lallend wünscht er mir frohe Ostern, und ich finde es bemerkenswert, wie tief gute Erziehung sitzen kann.
Von meinem Schlafzimmerfenster aus zähle ich dann noch ungefähr fünf Blaulichteinsätze, die alle in Richtung Hafen unterwegs sind. Für die Krankenwagen mache ich eine Strichliste, schlafe aber darüber ein.
Das ist es, dieses Blankenese, an Ostern. Doch ganz amüsant. In Dahlem hatten wir sowas nicht.

Samstag, März 22, 2008

Wunderwerk Neue Medien

Am Computer.
Freundin S
HH

S: Oh Mann ich brauche drin-gend die Adresse von dem X, ich muss ihm endlich diese Einladung schicken!
HH: An die Arbeitsadresse?
S: Neeeee, privat, das macht einen besseren Eindruck. So Leute sind doch immer wahn-sinnig auf Etikette bedacht. Zur Arbeit nur, wenn’s gar nicht anders geht.
HH: Und Du kennst niemanden, der die Adresse…
S: Nee…
HH (tippt auf dem Computer rum): Sekunde…
S: Es ist un-mög-lich, an den ranzukommen. Ich hab schon das ganze Internet leergesucht, aber nirgendwo auch nur der kleinste Hinweis, wo er wohnen könnte! Wahrscheinlich hat der Angst vor Stalkern oder Anschlägen oder…
HH: …oder vor Einladungen…
S: Was weiß ich. Jedenfalls, niemand weiß, wo der wohnt! Der ist bestimmt abgeschirmt von nem Sicherheitsdienst, 24 Stunden Bewachung, Wärmebildkameras, scharfe Wachhunde auf dem Grundstück…
HH: Hier. Ich hab sie.
S: Wie, Du hast sie???
HH: Na hier. Blablastraße in Dingshausen.
S: Woher…?
HH: telefonbuch.de
S: Nee!
HH: Schau selbst!
S (späht über die Schulter): Das is ja…!
HH: Tja.
S: Dass es sowas noch gibt…
HH: Unheimlich, was?

Mittwoch, März 19, 2008

Focus Kriminacht


...beim Münchner Krimifestival. Das Video zur Lesung ist leider verschollen, aber von den gut gelaunten Darstellern (Harry Luck - Moderator, ich - auch irgendwie anwesend, Daniel Scholten - präsentierter Autor) gibt es hier ein Beweisfoto.
Und ja, ich bin so klein. Ich bin in Wirklichkeit noch viel kleiner. Die beiden mussten mich hochheben, damit ich aufs Bild passe.
Foto: (c) Sabine Thomas, Münchner Krimifestival.

Hell's Bells


von Christiane Geldmacher könnt Ihr auch gerne hier bestellen. Es gab schon ganz entzückende erste Eindrücke, und auch ein Bildchen von der Lesung sieht man an dieser und jener Stelle.

Montag, März 17, 2008

Solms in Leipzig

Während der Lesung auf der Buchmesse
Dramatis Personae:
HH
Anobella

A: Leider habe ich einen Fehler in HHs Vita gemacht, sie kommt nämlich aus Waldsolms, und nicht, wie ich geschrieben habe, aus, äh – was hab ich geschrieben?
HH: Waldsolms.
A: Äh?
HH: Da komme ich NICHT her.
A: Oh! Sondern?
HH: Ich hatte das große Glück, dass meine Eltern aus Burgsolms kommen.
A: Ach, Burgsolms! Naja, diese Solmse verwechselt man ja dauernd. HH ist also in Wald, äh, Burgsolms geboren…
HH: Nein, geboren bin ich ihn Ehringshausen.
A: Wo ist das denn?
HH: Ganz in der Nähe von Solms.
A: Aber…
HH: Da war ich nur zwei Tage. Im Krankenhaus. Länger will man da eh nicht sein.
A: Und dann in Waldsolms.
HH: Burgsolms!
A: Aber das ist auch in der Nähe?
HH: Alle Solmse sind irgendwie in der Nähe. Deshalb sag ich immer Mittelhessen.
A: Hätt ich vielleicht besser auch mal…
HH: Das interessiert doch eigentlich echt keinen, oder?
A: Jedenfalls wohnt HH jetzt in Hamburg!
HH: Das stimmt zufällig!
A: Und wir lesen jetzt einfach mal.

Messe (Blutzuckerspiegel)

Lesen ist gar nicht so einfach. Irgendwie wird das immer unterschätzt. Auch das Vorher und Hinterher ist gar nicht so einfach und wird ebenfalls unterschätzt. Zum Beispiel muss man (ich) sich (mich) in gewissen Bereichen absichern. Mit Höhenangst kann man ja nicht auf einem Turm lesen. Oder mit einer Nussallergie ist eine Haselnussmenülesung auch eher schlecht. Und auch sonst gibt es so grundsätzliches, wie: Der Blutzuckerspiegel muss stimmen. Man muss vorher gefüttert werden, damit man auf der Bühne nicht umfällt, und auch hinterher muss man – aber der Reihe nach.
Anobella sagte, sie käme um zehn mit Frühstück. Wann kommt sie? Viertel vor elf, ich bin fast verhungert. Ich will um elf schon los zur Messe fahren, was aber nicht geht, erst muss ja gegessen werden, dann noch Leseprobe, kurz: Wir fahren erst um viertel vor zwölf, und Anobella wirft mir vor, ich sei nervös. Ach was. Sie zwingt mich, meine Beruhigungstabletten zu nehmen (rein pflanzlich), und zwar in vierfacher Dosierung. Sie helfen nicht. Trotzdem schreit sie mich an: Nimm Deine Tabletten! Wie so ein Satz auf einer Buchmesse neben der Leseinsel der jungen Verlage wirken muss, darüber muss man nicht lange reden. Ich nehme also zum dritten Mal die vierfache Dosis und bin immer noch aufgeregt. Traubenzucker, japse ich, meine Ärztin sagt, ich soll Traubenzucker… Anobella schreit mich wieder an: Kein Traubenzucker! Ich versuche ihr zu erklären, dass auch Nervosität viele viele Kalorien verbrennt und den Blutzuckerspiegel sinken lässt, aber sie hört nicht zu. Heimlich wühle ich den Traubenzucker aus der Handtasche und verstecke mich dazu hinter dem Verleger. Der sagt gerade zu den anderen Mitlesenden: Ihr seid doch hoffentlich nicht aufgeregt? Immer schön dran denken: Langsam lesen, dann wird das schon. Frau Heiland, Ihnen muss ich das ja nicht sagen, Sie sind ja Profi.
Dreht sich um zu mir, alle starren mich an, Anobella auch. Ich hab gerade ein Stück Traubenzucker zwischen den Lippen und mache große Augen. Profis sehen glaube ich anders aus. Anobella schreit wieder, diesmal nicht mich an, sondern einfach nur verzweifelt: Auch das noch! Versucht, mir den Traubenzucker wieder abzunehmen. Sie zwingt mich, zum vierten Mal die vierfache Dosis Beruhigungstabletten (rein pflanzlich) zu nehmen. So viel Baldrian, Melisse und Hopfen, das kann nicht gut sein, denke ich noch, aber das ist Anobella egal. Sie zerrt mich auf die Bühne, und mit einem Mal bin ich ganz entspannt, obwohl es knallvoll ist, überall sitzen Leute und starren uns herausfordernd an. Sie warten auf große Momente der Lyrik, auf noch größere Enthüllungen neuer deutscher Literatur, und ich habe ein Comedyhörstück in der Tasche. Prima. Anobella schreit mich wieder an, aber diesmal, weil es ihre (und meine) Rolle so will. Vorher behauptet sie noch, ich sei aus Waldsolms, aber das ist eine ganz andere Geschichte und wird extra behandelt.
Jedenfalls sind wir irgendwann fertig, die strengen Menschen klatschen höflich. Manche kaufen sogar das Buch, und der Verleger lädt uns zum Essen ein, er weiß ja nicht, was er tut, in mich passt mehr rein, als es von außen den Anschein hat, und dann noch nach all den Tabletten, da muss es das teuerste Filetsteak sein. Man verbraucht sehr viele Kalorien, bei so einer Lesung, besonders, wenn man aufgeregt ist. 3000 bestimmt, wenn nicht sogar das Doppelte. Anobella behält mich nun in liebevoller Erinnerung, wie ich entweder Beruhigungstabletten, Traubenzucker oder Essen in mich reinstopfe, und später, am Lübbestand, als Bruce Darnell schon wieder gegangen ist, werfen sie mich mit belegten Brötchen und Saft zu, weil ich immer noch Hunger habe und Nachaufgeregt bin. Du musst Dich mal weniger aufregen, sagt Anobella, und ich nicke.

Sonntag, März 09, 2008

Eltern (Solms)

Gerade angekommen.

Er: Du hast aber lange Haare!

Sie: Nein, sie hat sie sich abgeschnitten! Die sind kürzer, oder?

HH: Ähm...

Er: Aber das sind schon wieder so viele!

Sie: Lass sie doch! Wenn sie's schön findet!

Er: Und dünn ist das Kind!

HH: Ich hab aber...

Sie: Nein, sie hat zugenommen, schau doch mal!

Er: Ja, stimmt! Isst Du denn auch richtig?

HH: Also...

Sie: Das sieht man doch! Natürlich isst sie richtig!

Er: Wir haben ja auch für Dich eingekauft! Alles da, was Du gerne isst! Rouladen und Knödel!

HH: Öchz...

Sie: Ich glaub das mag sie gar nicht so gerne. Magst Du das nicht gerne?

HH: Äh...

Er: Das hat sie doch als Kind auch immer!

HH: Das war meine Schwester...

Sie: Hab ich Dir gleich gesagt, sie mag das nicht!

Er: Aber sonst haben wir alles da, was Du gerne magst, Kind.

HH: Malzbier?

(Pause)

Er: Trink doch mal richtiges Bier! Du trinkst nie richtiges Bier!

Dienstag, März 04, 2008

Schöne Neue Welt

Ich weiß jetzt das Wichtigste: Wo das Einwohnermeldeamt ist (Wartezeit im Schnitt fünf Minuten), wo Aldi, Lidl, Real und Praktiker sind. Ich war schon zwei Mal bei Ikea, ich habe sogar den AEG-Kundendienst für die Spülmaschine gefunden (in Schleswig-Holstein, gar nicht so weit von hier, da liefen Jugendliche in schwarzen Bomberjacken rum und warteten auf Busse). Postamt, Bank, Budni und Buchhandlung gleich ums Eck, bester Kuchen von ganz Hamburg wenige Häuser die Straße runter, VW-Händler nur ein paar Schritte die Straße rauf, und selbst den Wertstoffhof find ich mit verbundenen Augen.
Da fängt allerdings das Problem an. Ikea und andere Neumöbel machen ja bekanntlich viel Verpackungsmüll, den man gerne auf gelbe Säcke und Altpapier verteilt. Irgendwann ist es zuviel, und wenn man glorreich die wöchentliche Abholung direkt vor der Haustür verpasst, muss man eben selbst zum Wertstoffhof fahren, oder im Müll ersticken. Ich entscheide mich für den Wertstoffhof, der hier Recyclinghof heißt und so dezent ausgeschildert ist, dass Millionen Hamburger regelmäßig daran vorbeifahren. Ich nicht. Ich kenne ja nun den Weg.
Dumm nur, dass sie heute streiken und vor lauter "In welchen Bundesländern streikt wer wie lange"-Auftzählen in den Nachrichten Hamburg vergessen haben. In den NDR-Nachrichten natürlich. Ich bin nicht die einzige, die mit vollgemülltem Auto versucht, auf der vollgeparkten Straße zu drehen. Es gibt ein kurzes, aber verständnisvolles Verkehrschaos. Alle nicken sich mit fest aufeinander gepressten Lippen zu, und man sieht genau, was alle denken: Wir könnten den Müll einfach über das Tor werfen... Naja, ich denke das. Den anderen ist der Gedanke bestimmt nicht so ganz fern. Aber wir sind ja gut erzogen, wir fahren unverrichteter Dinge.
Auf der Elbchaussee der übliche Stau, und ich bin schon zu spät zu meinem Werkstatttermin für den Käfer. An Müllsäckeausladen vorher ist nicht mehr zu denken, weil wegen dieser dämlichen Heilkräuterpraxis (mit der unfreundlichsten Heilkräutertante aller Zeiten) alles vollgeparkt ist.
Der Mann von der VW-Werkstatt geht mit mir geduldig alles durch, bevor ich den Käfer alleine lasse, und fragt routiniert: Hat er sonst noch irgendwelche Bauchschmerzen? Ich sage: Nö, nur... also wenn Sie die Müllsäcke im Kofferraum und auf dem Rücksitz nicht stören? Er schaut mich groß an, und ich versuche, die Lage zu erklären. Wieviele, will er wissen. Fünf, behaupte ich, naja, vielleicht viereinhalb, schwäche ich ab. Wird dann wohl nix mit Innenreinigung heute?, frage ich hoffnungsvoll. Kriegen wir schon, erklärt er, und am Nachmittag bekomme ich ein sauberes, Müllsack befreites Käferchen zurück. Unglaublich.

Montag, März 03, 2008

"Hell's Bells" ist erschienen!


Und kann jetzt unter anderem hier bestellt werden. Die Anthologie enthält ganz wunderbare Kriminalgeschichten, darunter eine von mir, die auch auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt wird. Oder vorgelesen. Oder beides.

Einheimische erklären die Welt, Teil 2

Handwerkermeister G
HH

HH (will nett sein): Da bin ich aber froh, dass Sie mir da so kurzfristig helfen können, ich kann sowas ja nicht.
G (stolz): Tjaha, das is ja auch Männersache!
HH: Ähm, echt jetzt.
G: Jo, was glauben Sie denn, das is nix für Frauen.
HH: Ich dachte, das hat mehr so mit Ausbildung zu tun …
G: Ausbildung? Och, das liegt uns Männern im Blut! Oder ham Sie schon mal ne Frau in dem Job gesehen?
HH: Letzte Woche erst, in Berlin.
G: Na was ich von so einer halten soll … Da weiß doch jeder, was mit der los ist! Ich sach immer, das hier, das is Männerarbeit. Das müssen Frauen nich können. Dafür könnt Ihr andere Sachen. Stricken zum Beispiel. Können wir Männer ja auch nich.
HH: Ich kann nicht stricken.
G: Ach so. Na dann – was machen Sie denn so? Klavierspielen? Hier steht ja eins.
HH: Ist das ein Frauenhobby?
G: Jo, wem’s Spaß macht … Na aber is doch wahr, mit den Frauen und den Männern, ich mein, den Schrank da, den haben Sie doch nie im Leben alleine …
HH: Hab ich.
G: Nee!
HH: Doch.
G: Na, Mensch! Was sag ich denn dazu!
HH: Da frag ich mich, was Sie von so einer wie mir jetzt halten.

Einheimische erklären die Welt, Teil 1

Handwerkermeister M
HH

M: Jo, Mensch, dann sin Sie ja von außerhalb!
HH: Kann man so sagen.
M: Und wohnen jetz hier in Blankenese!
HH: Irgendwie schon …
M: Warum das denn?
HH: Irgendwo muss man ja …
M: Is doch so teuer!
HH: Nee, nich teurer als Innenstadt.
M: Aber da wo ich wohn, da is viel billiger!
HH: Ach …
M: Schenefeld! Na, wo isses am schönsten auf der Welt? In …?
HH: Schenefeld?
M: Jo, richtich! Wir ham wenigstens das richtiche Nummernschild, nämlich PI!
HH: Pinneberg?!
M: Jo, Mensch, ich weiß schon, was die Leute so sagen, Provinz-Idiot und so Sachen, aber immer noch besser als HH! Wissen Sie, wofür HH steht? Na?
HH: Ähm …
M: Halbes Hirn! Mensch, wie kann man so blöd sein und freiwillich HH aufm Nummernschild, sag ich immer, da is mir PI doch lieber!
HH: Ahja.
M: HH sin so scheiß Initialen, da kenn ich nochn paar Abkürzungen, wolln Se hörn?
HH (zeigt aufs Türschild)
M: Oha.
HH: Tja.
M: Das tut mir aber …
HH: Muss nich.
M: Mensch, wenn ich das gewusst hätte …
HH: Schon gut.